Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 funden, die sich hebräisch verständigen konnte. Die kleineren Knaben hingegen, die teils Schüler der vor wenigen Jahren begründeten hebräischen Schule sind, teils eifrig in Privatkursen Hebräisch lernen, verstehen es fast alle, und viele von ihnen sprechen es schon mit einer gewissen Geläufigkeit. Ich erhielt von ihnen stets auf meine hebräischen Fragen mehr oder weniger fehlerfreie hebräische Antworten. Da die Knaben mit mir übrigens nur hebräisch sprachen, so war das für sie ein Anreiz, sich auch im Verkehr untereinander häufiger als bisher dieser Sprache zu bedienen. Mir .machte, wenn ich auf der Strasse einen meiner Zöglinge traf, sein munteres „Schalom, More" stets wieder neue Freude. Eine weitere Schwierigkeit machte das Beschaffen von Geräten. An Kauf war natürlich nicht zu denken, da es unmöglich war, etwas aus dem europäischen Russland herbeizuschaffen. Auch unsere Geldmittel waren beschränkt. Mein Uebungsstoff an den vorhandenen Bänken aber, an welchen wir alle Arten schwedischer Uebungen im Sitzen und auch Sprungübungen ausführten, waren nach wenigen Stunden scnon erschöpft, und so blieb uns nur die Möglichkeit, die Geräte anfertigen zu lassen. Nach einigem Suchen fand ich im Gefangenenlager einen geschickten Tischler. Ich entwarf also Zeichnungen für die wichtigsten Geräte und überwachte deren Ausführung. Zuerst entstanden Sprungständer mit Sprungbrettern. Dann folgte ein recht solide gebauter Kasten, an welfihem ich auch viele für das Pferdeturnen bestimmte Uebungen ausführen liess.' Dann Stäbe für Stabübungen, und zuletzt ein in Höhe und Breite verstellbarer Barren. Gute Dienste leistete mir dabei ein in der Gefangenenbibliothek aufgefundener Göschenband „Das deutsche Turnen", in welchem Abbildungen der Geräte vorhanden waren. Wir eröffneten den Betrieb mit zwei Abteilungen, einer Knaben- und einer Mädchen-Abteilung. Jeder gehörten zuerst ungefähr 30 Turner oder Turnerinnen an, in beiden waren alle Altersklassen, vom 7. bis zum 20. Lebensjahre vertreten. Nach einem Monat war besonders bei den Knaben die Zahl der' Teilnehmer so stark gestiegen, dass wir zu einer Teilung dieser Abteilung schreiten mussten. Die Mädchen-Abteilung entwickelte sich, auch was das Wachsen der turnerischen Fähigkeiten anlangte, etwas langsamer. Die Gesamtzahl der Teilnehmer war nach 6 Wochen zirka 100. Pläne zur Gründung von zwei besonderen Abteilungen für Erwachsene und einer solchen für schwächliche Kinder wurden leider durch meine vorzeitige Abreise vereitelt. Dagegen stellte sich bald die Notwendigkeit eines besonderen Vorturnerunterrichtes heraus. Da es eine Turnliteratur in russischer Sprache nicht gibt, viele Turngeräte^ z. B. der Kasten in Russland ganz unbekannt sind, und die meistein Kinder in den Schulen überhaupt keinen Turnunterricht erhalten, so war es nicht nur notwendig, den Turnern die nötige Turnfertigkeit beizubringen, sondern es ihnen auch zu ermöglichen, in kurzer Zeit ein möglichst grosses Uebungsmaterial zu sammeln. Diese Aufgaben