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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 8 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
8 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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16 der in der Stadt das Amt eines Hauslehrers in einer jüdischen Familie inne hat. Schon will ich eins unserer alltäglichen Gespräche beginnen, als er mir das Wort abschneidet: „In der Stadt will man einen jüdischen Turnverein gründen, und Sie sollen die Leitung übernehmen". Die Stadt ist Werchne-Udinsk, in der Nähe des Balkalsees, ein kleines Städtchen, von Russen, Juden, Chinesen und Burjaten bewohnt, einige Kilometer von unserem Lager entfernt. Wir diskutieren über die Sache und kommen zum Resultat, das9 ich mir erst einmal die Geschichte ansehen soll, um sodann eine „Abkommandierung" zu beantragen. Aber wie kommt man in die Stadt? Natürlich, „Das Verlassen des Lagers ist verboten". Wird man in der Stadt erwischt, so wird man auf ein paar Tage bei recht schmaler Kost eingelocht. Aber, hinein muss ich. Es wird also ein Schlachtplan entworfen. Am nächsten Sonntag wird in Zivil in die Stadt gefahren. Alle Teile der Ausrüstung werden zusammengepumpt. So erwarte ich meinen Freund. Nach einer rührenden Erkennungsszene wird die Mütze wieder über die Ohren gezogen, der Mantelkragen hochgeklappt und der Weg zur Station durch die verschneiten Strassen angetreten. Als der Zug gerade abfahren will, steige ich/ unbemerkt ein und nach einer halben Stunde sind wir am Ziel. Wir kommen zu einem hübschen roten Ziegelgebäude, der h ebrä i s ch en S ch uIe. Ihr grosser Saal, der auch als Vortrags- und Versammlungsort, wie auch als Theater dient, soll nun auch Turnhalle werden. Dort ist schon ein Teil meiner neuen Zöglinge, meist Schüler des städtischeil Gymnasiums und der Realschule, versammelt. Es herrscht natürlich bei meiner Ankunft ein schrecklicher Radau, aber als ich hereinkomme, wird es still, „der Lehrer ist da". Nach einigen Begrüssungen beginnt das Turnen. Ich entdecke die erste .grosse Schwierigkeit, die ich während der ganzen Zeit meiner dortigen Tätigkeit nicht .recht überwunden habe, den Mangel der gemeinsamen Sprache. Meine russischen Sprachkenntnisse waren etwas fadenscheinig, Deutsch verstand niemand, und auch der Jargon ist bei der jüdischen Jugend in Sibirien schon ziemlich ausgestorben. Nun, es kommt beim Turnen ja mehr auf das Tun als auf das Reden an. Bald steht alles in geöffneter Aufstellung und die Freiübungen beginnen. Die Jungens geben sich redliche Mühe, alles aufs genaueste auszuführen." Nach 20 Minuten kommt eine kleine Pause und es geht zu den Gerätein. Man hatte sich vor irgendwoher einen Barren und ein paar Sprung^ bretter geborgt. Einige Bänke vervollständigen unser Gerätematerial und bald ist das Geräteturnen im besten Zuge. Meine russischen« Brocken reichen gerade zur Verständigung aus. Als ich so vor dem Gerät stehe und „Aufsicht gebe", dachte ich an den Bar Kochba., Hamburg, und an die Eimsbütteler Turnhalle! Aber schnell schüttle ich diese Gedanken von mir ab, denn es heisst scharf aufpassen. Die Jungens sind wild wie die Teufel. Nur „gefährliche Uebungen" lieben sie, und sie tun ihr Möglichstes, um sich das Genick oder mindestens ein paar Arme oder Beine zu brechen. Sie sind alle gut gebaut, kräftig entwickelt, von äusserst lebhaftem

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