Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 8 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 Doch unbeirrt von diesen Angriffen setzten wir unsere Arbei fort, je härter der Kampf wurde, desto mehr gewann der Makkabi an Ausdehnung. In Saloniki, Adrianopel, Kairo, A l e PPO bildeten sich gleichfalls Makkabi-Vereine, die in standiger schrifthchei Fühlung mit dem Zentralvorstand in Konstantinopel blieben Von hier aus erfolgten alle neuen Anregungen verwaltungsmassiger und turntechnischer Art. Reisen wurden nicht gescheut, um die persönliche Fühlungnahme herzustellen, und die ganze Turnorganisat on der Türkei möglichst einheitlich zu gestalten Es wurden mal en Städten grosse öffentliche Turnfeste veranstaltet, die^bedeutendsten in der Reichshauptstadt, zu denen stets sehr gern auch offizielle Persönlichkeiten des türkischen Reiches erschienen. ,Ich erinnere nur an, die beiden aufsehenerregenden Reden des Gouverneurs von I era und des Staatsrats Reschid Bey, eines Verwandten des SuHans auf den grossen Winterfesten des Makkabi in Konstantinopel Das Auttreten dieser Persönlichkeiten Hess dann auch allmählich die feindlichen jüdischen Kreise verstummen, und je weniger Kampf wir nacn aussen zu führen hatten, desto eifriger konnten wir an der innerem E r s t a r k u n g unserer Organisation arbeiten. Allein in Konstantinopel war in ly2 Jahren aus einem kleinen Verein mit 200 Mitgliedern — meist passiven — eine Bewegung mit Männer-, Damen-, Zoglings- und Kinderabteilungen entstanden, die ungefähr 1000 aktive Turner und zahlreiche Anhänger zählte. , . Diese so günstige Entwicklung wurde jedoch jah unterbrochen durch ein furchtbares Unglück, das über die 50000 Juden Konstantinopels hereinbrach. Ein ganzer Stadtteil — Balat -, wo 15 000 Juden zusammengedrängt wohnen, wurde durch einen grossen Brand fast vollkommen eingeäschert. In den anderen judischen Stadtteilen trat die furchtbare Cholera mit grosser Heftigkeit auf Mit einem Schlage mussten wir unsere Arbeit in drei blühenden judischen Ortschaften einstellen. Menschen, die infolge eines Unglücks mcrit wissen, wo sie sich des Nachts zur Ruhe legen werden, und wo sie morgen das Brot für ihre Familie finden werden, solchen Unglückseligen kann man nicht mit ideellen Forderungen kommen. Und doch - noch vor meiner Abreise — hatte ich Gelegenheit, zu sehen, wie au.f den Trümmerstätten und in den verseuchten oder verlassene»! Häusern wieder neues Leben entstand. Unsere jungen spamoUscnen Turnbrüder haben einmal gekostet von den hehren Gefühlen, für ein freies, stolzes Judentum zu arbeiten, und diese grosse Liebe für unser Volk überdauerte Brand und Cholera, wie sie auch sicherlich alle Schrecken und Verfolgungen des Krieges siegreich überdauert hat. c) Ostsibirien. Von Emil Enoch, J. T. V. Bar Kochba, Hamburg. - Da sitze ich an meinem selbstgezimmerten Tischchen fn unserer Baracke, um mich her das alltägliche Leben 'des Gefangenenlagers. Plötzlich nähert sich jemand meinem Platze. Es ist ein Bekannter,