Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 8 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
8 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965391--182-4923099
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

14 dort noch nicht eingeführt, — vielleicht ist darin in den letzten Jahren eine Aenderung eingetreten. — Genug, damals mussten wir uns nach geeigneten Räumen umsehen, eine besonders schwierige Aufgabe bei den ein- bis zweistöckigen leichten Holzhäusern der Judenviertel. Und war der Raum mit vieler Mühe ausfindig gemacht, dann musste man an die Anschaffung der kostbaren Turngeräte gehen. Alle Geräte mussten wir für eigenes Geld aus dem Ausland kommen lassen. Welcher Verein in Deutschland hat so etwas schon auf sich nehmen können? Wie gut und wie straff muss ein Vereinsleben organisiert sein, wenn es sich zu derartigen Unternehmungen aufraffen soll? Im jüdischen Turnverein des Ostens spielt sich das gesamtejüdischeLebenderJugendab. All die Arbeit, die in Westeuropa die jüdischen Studentenverbindungen, zionistische Ortsgruppen, Literaturvereine, Turn- und Wanderbewegung im einzelnen getrennt an dem jungen Juden vollziehen, all' diese vielseitige Beeinflussung ist das Arbeitsfeld des Makkabi-Vereins. Daher gehört der jüdische Turner des Ostens mit Leib und Seele seiner Organisation. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen uns und ihm, wir, die wir nur ein- bis zweimal wöchentlich auf zwei Stunden unsere Bewegung auf uns wirken lassen, während der östliche Jude auch im täglichen Leben von den Problemen der jüdischen Renaissance- Bewegung vollständig erfüllt ist. Die Makkabi-Organisätion ist die erste jüdische Turnvereinigung, die Hebräisch als offizielles Turnkommando unter schwierigen Verhältnissen eingeführt hat. Dieses hebräische Kommando ha* seine eigene Geschichte. Ueber Entstehen, Einführung und praktische Wirkung lässt sich soviel sagen, dass es weit über den Rahmen meines heutigen Aufsatzes hinausgehen würde, wenn ich darin ausführlich werden wollte. Das eine sei aber besonders betont, mit dem Kommando zog auch hebräischer Geist bei den Turnern ein, das ganze Vereinsleben bekam hebräisches Gepräge, und immer neue Mitglieder wurden in den Bann dieses Turnkreises gezogen. Je mehr Erfolg nun die Turnbewegung unter der jüdischen Jugend aufweisen konnte, umso grösser wurde der Widerstand derjenigen jüdischen Kreise, die wohl in allen Ländern die gleichen sind, die stets Furcht vor dem Bekenntnis zum eigenen Volk haben, die durch äusseren Wohlstand entartet lieber schlechte Juden und desto bessere Pantürken oder Alldeutsche sein wollen. Von diesen Kreisen wurde gegen den Makkabi ein sehr hässlicher Kampf geführt. Jüdische Zeitungen hetzten gegen uns in nicht wiederzugebender Weise, Denunziationen bei den türkischen Behörden, persönliche Beleidigungen schlimmster Art sollten uns die Arbeitslust nehmen. Man hatte ja so leichtes Spiel. Man sah in uns nicht mit Unrecht die Vorkämpfer der Zionsidee, die man vielleicht in allen anderen Ländern — ich spreche von der Zeit vor 9 Jahren — problematisch erörtern konnte, nur nicht im ottomanischen Kaiserreich, wo eben Palästina eine Pro vi«7 des Landes war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.