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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 7 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
7 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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44 Du gerade an mich schriebst. Mir ging es in der Tat ganz wie Dir. Auch ich kam vom Deutschtum, das ich mit einer wirklich ehrlichen, inbrünstigen und tatkräftigen Liebe liebte. Meine „Enttäuschungen" hätten mich natürlich nie davon abgebracht, wenn sie für mich lediglich blosse Tatsache gewesen wären. Da sie aber zeitlich mit der Entwicklung zum wirklichen Juden zusammenfielen, erschienen sie mir bald als Symptome und nicht nur als Fakten, so dass ich mich nun so entwickelte, wie es mein Aufsatz darstellt. Du scheinst auf demselben Wege zu sein. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass Deine Bindung an das Deutschtum eine etwas andere, geistigere, man kann vielleicht sogar sagen jüdischere ist, als die meine es war. Doch sind diese Unterschiede nur für den vergangenen und nicht für den zukünftigen Weg von Belang: und deshalb nehme ich Deine Bitte auf, und deshalb wage ich Dir zu raten, obwohl dies zwischen Menschen ein recht fragmentarisches Beginnen ist. Erst fmusst Du lesen, viel und gut lesen. Du tust ganz recht daran, zunächst nicht mit wissenschaftlicher und nationalökonomischer Palästinakunde zu beginnen, sondern Dir vorher die theoretischen Grundlagen anzueignen, Dir. wie Du sehr schön sagst, erst das innere Zion zu erbauen, bevor Dui an das äussere herangehst. Lies zuerst von Martin Buber „Die drei Reden an das Judentum", lies besonders die erste Rede so ohne Vorbehalt, wie Du noch nie ein Buch gelesen hast. Jedes Wort in diesem herrlichen Abschnitt ist sozusagen herausdestilliert aus vielen, vielen Lebens- und Qedankenströmen, die der Leser sich nun durch einen reproduktiven Prozess durch Assoziationen wiederherstellen muss. Nur für die Gedankenlosen ist B u b e r „schwer". Für diejenigen Menschen, die ihn im Gefühl ihrer Verbundenheit mit seinem Inhalte lesen, mit dem Gefühl, dass dies alles sie höchst persönlich angeht, und ihr eigenes Leben bestimmend zu formen geeignet ist, für die ist er leicht, hell und klar, ein Führer zu den Höhen. Wenn Du die erste Rede von Bub er so gelesen und so verstanden hast, dann wirst Du für die Zeit Deiner inneren Kämpfe Und für die Anfechtungen Deines Zionismus, die nicht ausbleiben werden, einen Hort, einen Gradmesser und eine Stütze haben. Du wirst dann auch wissen, wie Du zum Deutschtum stehst und wirst es erkennen als W«! Welt der Eindrücke, die in Vergänglichkeit wirkt auf die ewige Welt unserer Substanz, unseres Judeseins, una die überwunden werden muss, wenn wir zur Menschheit kommen wollen. Doch lies selbst! Wenn Du das hast, hes ( Herzl. Zunächst den „ J u d e n s t a a t ". Dann wirst Du schon wissen, dass Herzls politischer Zionismus nicht der von heute ist, nicht mehr ganz der unserige ist, die wir ja in gewissem Sinne Zionisten sein würden, wenn Palästina durch ein Erdbeben von der Weltoberfläche verschwände. Zionismus ist heute für uns nicht mehr nur ein Transportunternehmen grossen Stils, sondern es ist unser Rückweg zur Menschheit. Mit diesem Vorbehalt iw,r*' Du Herzls strahlendes Zukunftsbild, sein helles, klingendes Wort voller Freude geniessen, und wirst ihn ehren und achten, wie wir, als den grossen Erwecker und Rufer unseres Volkes, als den ersten Mann seit der Propnetenzeit, der da* Judentum national repräsentierte. Lies ausser dem Judenstaat „Mauschel und „Die Menorah", zwei herrliche kleine Aufsätze, und sonst noch wozu Du Zeit hast. Es ist alles schön von ihm. Schliesslich Hess Achad Haarn. Seine vielen gesammelten Aufsätze sind unter dem Titel „Am Scheidewege deutsch beim „Jüdischen Verlag" erschienen. Er ist ein hebräischer Scnny* steller, dessen Ideen eine grosse Umwälzung in der Theorie und Praxis IQ& Zionismus herbeiführten. Wie Gustav Landauer etwa in seinem „Aufruf Sozialismus" von der marxistischen materialistischen Geschichtsphilosophie anrückt, wie er den Sozialismus von innen heraus aus der Seele des Menschen begründet, so lehnt auch Achad Haam in seinem wichtigsten Aufsatz j»n'c"j dies ist der Weg" die materialistische Begründung des Zionismus ab, «" «tollt i4la Pa»1 anin/T mtf Art am iiiafet r4»A P r ur a c> 1/ u n rr rlae H P f 7 P tl ß i Gl*- stellt die Forderung auf, dass zuerst die Erweckung des Herzens, ~ _ " vorbereitet magst Du dann a" eigentliche Palästinaliteratur gehen, von der ich Dir am meisten das puc innere Regeneration kommen müsse. So von Arthur Ruppin „Juden der Gegenwart" empfehlen kann, das eine stati tische und wissenschaftliche Grundlage für die Verhältnisse im Oaluth un in Erez Israel darbietet, und ebenso sehr das Buch von Kurt Nawratzki „Judiscn

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