Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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43 für das Deutschtum. Das Hochziel, dem ich als nationaler Jude mit all meiner Kraft zustrebe, habe ich klar erkannt: es heisst für mich nur noch .Jüdische Gemeinschaftsarbeit in Palästina". Aber bevor wir daran gehen, in Palästina körperlich zu arbeiten, müssen wir erst das innere Zion in unseren Seelen erbauen. Auf diesem Wege befinde ich mich jetzt. Ich stehe hier ganz allein und mit fast all den Juden, die ich kenne, verbindet mich weniger als "jit meinen freideutschen Freunden, die auch meine jüdischen Gedanken vergehen, schon deshalb, weil sie ebenfalls national sind. Wie ich es anfange, in Palästina zu siedeln, das weiss ich noch nicht, aber ich würde mich nicht scheuen, in diesem Falle mit meiner ganzen Umgebung zu brechen, und dies alles deshalb, weil ich ganz und gar begeistert bin von der Glut, von dem blutwarmen Erleben unseres, des nationalen Gedankens. Ulaube nicht, ich sei vielleicht irgendein Schwärmer, dessen Begeisterung bald verpufft. Im Gegenteil, das (Vergängliche in 'mir habe ich durch die Entscheidung zu Euch abgestreift, und das Ewige, Unvergängliche für mich erwählt. Aber |der besondere Grund, weshalb ich Dir schreibe, ist doch der, Dich jj"- bitten, dass Du mich in die jüdische Gedankenwelt einführst. Ich will jetzt Martin Bubers Bücher „Daniel", sowie „Die Rede, das Wort JJnd das Lied" lesen, um dann auf diesem Wege weiter zu dem Problem aer Siedlung in Palästina zu gelangen. Denn das ist für mich ganz klar, dass das endgültige Ziel nur sein kann in Palästina zu siedeln. Nicht als Einsamer, sondern im Bewusstsein der nationalen Idee, im Bewusstsein, dass unsere Arbeit, jjnu sei sie körperlich auch noch so schwer, getragen wird von dem Geiste der "ingabe an die Gemeinschaft, vom echten Sozialismus, wie ich ihn auffasse. . Du wirst wohl aus diesen Zeilen den Wunsch herausgelesen haben, jnir m« Rat und Tat zu helfen. Eine der ersten Fragen, die in mir auftauchte, war »: B.: Wie stellst Du Dich zu Deutschland? Ich hasse und verachte die Leute, Qle in Halbheiten ihr Leben finden, und wenn ich das wahre Heimatland unserer Seele in Erez Israel sehe, so kann mir Deutschland zwar noch Jieimat im staatsbürgerlichen Sinn, nicht aber mehr letzte Erfüllung aller |-i.ebe und aller Sehnsucht sein. Ich bitte Dich also mir zu schreiben, wiej Du Ulcl» zu diesem Problem stellst. g... Ich glaube, Du wirst mich verstanden haben, denn der Geist in diesen oh| ern >st Geist von Eurem Geiste, wenn es mir auch wohl manchmal nicht &eiang. das wunderbar frohe Erlebnis meines Judewerdens in die richtigen w°rte zu fassen. ., Ich freue mich schon im voraus auf Deine Antwort! Und nun sei herzlichst gegrusst von S. W. II. Ernst Simon an Herrn S. W. in Stargard. Lieber S. W.I 21 ri^Unä?hst sage ich Dir meinen herzlichsten Dank für Deinen Brief vom Glück Imcn £anz ausserordentlich erfreut hat. Es ist ein ungewöhnliches WirfpÄ Wieim man sPurt> dass der Herzschlag des eigenen Blutes in der Ferne Raum '.itK*et> und dieses Gefühl des Naheseins, diese Ueberwindung des nales n?ÜY'scnetl Seele und Seele, ist wohl das, was man recht eigentlich natiowar fcr rl und na,ionales Bewusstsein nennen kann. Aber nicht nur deswegen BestaT Brief eine so grosse Freude, weil er mir eine neue und unerwartete auch » Un§ 'memer» unserer nationalen Orientierung brachte, sondern vor allem der ailS8 em Grunde, weil er mir die kämpfende Seele eines Menschen öffnete, auch hl! PnI wie ich mit den Din2en dieser We,t ehrlich abquält. Wenn ich geelipt, tf .durch den Zionismus zur inneren Ruhe und zu einer gewissen Aussehr ™enneit gelangt bin, so kenne ich doch Deine augenblickliche Situation meinem aU»aus den 'anKen Jahren meines Judewerdens. Du wirst ja aus wickiun Hsatz entnommen haben, dass wir beide eine ziemlich ähnliche Entung durchmachten, und dies ist vermutlich auch der Hauptgrund, warum