Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492385-5965061-5965390--142-4923060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
31 das Brot zu kaufen, das ein Arbeiter täfitfch verzehrt. War aber dann die härteste Arbeit getan, den kommenden Kolonisten der Boden bereitet, die ersten Anfang« der Zivilisation geschaffen, dann zogen die Chawerim des "apoel Hazair weiter, uro ihr hartes und an Entbehrungen reiches Dasein an anderer Stelle von neuem zu beginnen. Den Oenuss des von ihnen Geschaffenen überliessen sie anderen, schwächeren Elementen. Sie selbst aber opferten die Kraft ihres Körpers, die besten Jahre ihrer Jugend, und verachteten auf jegliche AnnehmUdhkeit der Zivilisation. Aus unserer Liebe zum Volke und aus dem Bewusstsein der historischen öindiuing, die uns mit den vergangenen Geschlechtern verkettet, erwächst auch die Forderung der nationalen Kultur. Aus diesem Gefühl heraus ist Hapoel «lazair der unentwegte Vorkämpfer der Hebraisierung im neuen Jischuw gewesen. Was er awf diesem Gebiete geleistet hat, ist bekannt. In seinem Reiste aber bemühen wir uns, schon im Galuth den Anschituss an die einheitliche hebräische Kultur zu finden. So also stellt sich unser Volkssozialismus dlar: Nicht wollen wir allein das materielle Bedürfnis des eigentlichen Arbeiter-Proletariats, (das übrigens Serade im jüdischen Volke eine geringe Minorität darstellt), befriedigen, nicht aurch Streiks höhere Löhne erzielen. Unsiere Waffe ist nicht der streik, sondern die Arbeit. Weil wir im Zionismus nicht ein Transportunternehmen sehen, weil wir von ihm nicht allein materielle Verbesserung erwarten, sondern ihn als Kenaissancebewegung begreifen, weil Wir ihn als die Bewegung auffassen, die alle Kräfte des jüdischen Menschen und des Volkes befreien soll, weil Wlr das einheitliche Volk in Palästina nicht in feindliche Klassen zerfallen ■assen, sondern um der Kulturentwicklung willen es im Ganzen befreien wollen von jeglichen Fesseln, darum sind uns Zionismus und Sozialismus identische Begriffe. p Die Auffassung trennt uns aber von der anderen zionistischen sozialistischen Partei, den Poale Zion. Nicht durch Proletarisierung und gewollten Klassenkampf Segen, sondern im organischen Aufbau m i t der überwiegenden Majorität unseres Volkes wollen wir unser Ziel erstreben. Denn wir sind ja ausgesprochene Rationalisten, Hapoel Hazair ist der Kerntrupp der jung - zionistischen Partei, nicht nur in Palästina, sondern nun auch im Oaluth. Wir glauben aber auch, dass Qer Sozialismus, der allein aus der materialistischen Weltanschauung erwächst. Keine Zukunft hat. Wir glauben an die Kraft der Idee. Palästina kann für nierandt und wird niemals materielle Verbesserung bedeuten. Wir glauben, dass "je Ideen es sind, die die Welt beherrschen und letzten Endes sich immer durch-??«en. Wir sehen ifn der Geschichte manche Bewegung, die nur auf der Kraft der Idee beruht (z. B. die arabische Völkerwanderung), manche, die durch wedle Und ökonomische Momente in gleicherweise hervorgerufen wurde (z. B. i'e. grosse französische Revolution), aber kein Beispiel ist uns bekannt, dasi a ein aus ökonomischen und materiellen Interessen heraus zu erklären wäre. Ueberau waren es Ideen, die die wirkende Kraft geschichtlicher Umwandlung abgaben Wir also glauben «in den Geist des Sozialismus und die Idee der Ge- [,e*%l<eit. Wenn nun der Marxismus sagt, mit der Notwendigkeit eines Naturgesetzes müsse der Sozialismus aus dem Kapitalismus entstehen, und nur so Kpnne er erstehen, so sagen wir, nicht nur in einem Falte ist der Sozialismus ■"Oglich, sondern er ist immer möglich und immer unmöglich. Er ist nämlich, ganz gleich in welchem Stadium ökonomischer Entwicklung, immer unmöglich, wenn die Menschen nicht reif für ihn sind, und er ist immer möglich, wenn sie bereit sind, ihn aufzunehmen. Nur dort, wo der Geist gemeinsamen Schaffens und die Idee brüderlicher Hilfe hen - ctien, nur dort kann die sozialistische Gesellschaft begehen. - Darum aber hat Hapoel Hazair seine Ziele nunmehr weitergesteckt, ist A tu ^a'utn gegalngen. Denn nur der Geist des Hechaluz ermöglicht der. j/Ufbau. Nur der Geist des Volkssozialismus verbürgt den Aufbau der Gc- •Jreinschaft, die diejenigen unserer Wünsche befriedigen kann, die wir mit u«m Worte „Zion" verbinden.