Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 7 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
7 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 30)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965390--141-4923059
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

30 war, der es veranstaltete, in denen, weit nur Christen Bürgermeister werden durften, man Zuchthäusler teuer bezahlte, damit sie blieben und diesen Posten I^rn.*hnLen- °ie Juden dieser kleinen Städte waren und sind fast ausschliess- Udn Mandler, und es «st kaum begreifbar, wie diese Bevölkerung von Vermittlern ihr Auskommen findet. Düe Vermittlung, wie sie von den Juden ausgeübt wird zwischen Stadt und Land, zwischen Kapital und Arbeit, ist gewiss efoe achtbare Tätigkeit. Aber sie ist doch nicht Werte erzeugend, Neues schaffend. Pie Konsumvereine beweisen), dass sie für den Wirtschaftskörper nicht unbedingt notig ist und zum grössten Teilte ausgeschaltet werden kann. Qtese» Mangel an produktiver Arbeit ist der Grund für die furchtbare ökonomische Notlage der Juden des Ostens. Und auch im Westen sehen wir in der rapid zunehmenden Proletarisierung gewisser akademischer Berufe die Anfänge einer ähnlichen Entwicklung. Auch die seelische Judenmot geht auf denselben Grund zurück. Sie beruht darauf, dass wir uns selbst gestehen müssen, zurzeit nicht in dem Masse^schöpferisch zu sein, wie es unserer Anlage entspricht. Wenn wir an die üblen »skusslionen denken, düe Assmutanten und Antisemiten unter sich fuhren, um düe Inferiorität des jüdischen Volkes zu verneinen oder zu bitweisen, so müssen wir doch gestehen, dass die grossen Männer, die im Gallith dem jüdischen Volk erstanden, ohne Ausnahme durch eine mehr oder minder starke innere Zerrissenheit an der vollen Auswirkung ihrer Kräfte gehindert wurden. : ' iWir wissen zwar, dass diese Auflösung unserer Fähigkeiten, diese Eutropje 'unserer Kräfte eine Folge unserer anormalen Lage ist und sehen darum in diesem Problem eine nationale Fragte, aber nicht die Uebersiedlung nach Palästina, sondern erst die dort zu entfaltende schöpferische Arbeit kann uns von dieser psychischen Not des jüdischen Seelenlebens ganz befreien. Wolfen wir aber diese schöpferische Arbeit auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit wiedler erwecken', so müssen wir fordern, dass die neue Oesellschaft, die in Palästina ersteht, eine Gemeinschaft der Arbeit werde. Eine Gemeinschaft, in der jeder produktive, für die Gesamtheit wertvolle Arbeit leistet, jeder im Genüsse des vollem Wertes seiner Arbeit steht und nur von dem Ertrag dieser Arbeit lebt. D|as aber ist bereits Sozialismus. Denn um zu erreichen, dass ein jeder den vollen Ertrag seiner Arbeit geniesst, müssen wir die zwangsweise Abgabe ablösen, die heute jeder an die Besitzer des Bodens und der ftxxiuktionsirrilittel zahlen muss, für die Erlaubnis, diese zu irgend einem Zwecke zu benutzen. Jeder, der heute Boden oder Produktionsmittel benutzt, muss in Form der Grundrente, des Mehrwertes usw., einen Teil seiner Arbeitsleistung dem Eigentümer abtreten. Wollen wir dies ändern, so müssen wir die Entwicklung der nationalen Wirtschaftsgemeinschaft zum Endziel der Vergesellschaftung von Boden und Produktionsmittel erstreben. Wir hoffen, dass in Palästina ein sozialistisches Gemeinwesen ersteht, das die kulturellen Entwicklungsmöglichkeiten jedes Einzelnen verbürgt, aie kulturellen Kräfte der Oesamtheit befreit und, nach Ausschaltung wirtschaftlicher Ausbeutung, wahrhaft menschliche Beziehungen zwischen den einzelnen Individuen aufkommen lässt. So kämpft Hapoel Hazair für den sozialistischen Aufbau Palästinas vom ersten Tage an. Doch hat Hapoel Hazair nicht einfach den Begriff des Sozialismus der europäischen Welt entlehnt und auf Palästina und das jütfäscWe Volk übertragen. Wir nennen uns Volks-Sozialisten, und wir verstehen darunter einen Sozialismus, der nicht für das materielle Wohlergehen einer Gruppe der Gemeinschaft, (sondern für Umgestaltung, Aufbau und Entwicklung der ganzen Nation kämpft. Das Volk ist der Mittelpunkt unseres Strebens, und ihm wollen wir dienen. Hapoel Hazair ist immertne Partei der Chahizim gewesen). Unsere Chawerim waren immler die Vorposten der Kolonisation. Wo immer eine Kolonie sich nicht entwickeln konnte, M*> immer die billigen. Arbeitskräfte fehlten» um in harter Arbeit den seit Jahrtausenden nicht bepflanzten Boden wieder urbar zu machen, da wpr es äj* „.arbeitende Jugend'', die helfend einsprang. Für einen BischEk haben' unsere Chawerim in Sichron Jakob gearbeitet, für eine Summe, die nicht ausreicht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.