Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492385-5965061-5965390--138-4923056- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
27 Die Fremdheit zwischen K. I. V. und Turnerschaft entspringt diesem Mangel an zionistischem Verantwortungsgefühl tfndl nationalem Brudeirsinn. Die K. I. Ver, die zur Turnbewegung gingen, um in ihr zu arbeiten, kamen meist als Fremde, als Aka* demiker; so fest wurzelten sie in ihrer studentischen Gemeinschaft, dass die Turner für sie „andere" blieben, die Turnerschaft ihnen nur Objekt ihres Betätigungswill|ens, nicht ihre eigene Sache wurde. Standesdünkel und Akademikerstolz, genährt durch Oemeinsdiafteformein deutsch-studentischen Charakters, wurden von den Turnern instinktiv empfunden, und hinderten eine innige Verbrüderung. So waren die Studenten in der Turnbewegung meist mir Gäste, und die Möglichkeit tatsächlichen Wirken® litt unter dieser inneren Fremdheit. Den Turnern aber, die die umfassendste Jugendbewegung hätten Ins Leben rufen können, fehlte es an der Erkennbarkeit ihres nationalen Willens; unbeteiligt gingen sie an den Ideen der revolutionierten Jugend vorüber, ihne Cmstellung auf die Uebersiedlung nach Palästina wair nicht stark genug. Die Turnbewegung erstickte in Tagesarbeit und Vereins- .meierei; säe verstand es nicht, lebendigen Qeist auszustrahlen, ihre Glieder »nmerlich zu wandeln und ganz zu erfassen. Wenn die Turnbewegung heute nur auf verhältnismässig geringe Erfolge ^rückblicken kann, so ist das ihrer mangelnden zionistischen Entschiedenheit zuzuschreiben^ Und wenn die Mitarbeit der Akademiker Sjese Entschiedenheit nicht hervorzurufen vermochte, so liegt das an ihrer Sonderstellung, an der bedauerlichen Tatsache, dass sie immer mehr „Studenten" £fc »Turner" waren. Man glaubte, am Schreibtisch oder durch gelegentliche "«suche Menschen nachhaltig beeinflussen zu können, und vergass, dass lebendiges A 'wufn nur durch innere Verknüpftheit zu erreichen ist. Menschen sind nicht w OjKanisation su biJden, und Organisation erhält erst dort ihren Sinn, wo erfüllte Menschen bereits vorhanden sind. . Wir dürfen heute hoffen, dass unsere Jugend auf dem Wege zur Einheit 5*- Immer dringender wird die Forderung nach Sem Zusammenschfuss derer, .werktätig in Palästina zu arbeiten sich anschicken, immer erkennbarer a iT»?Ueberwindung der Standesuntersidiiede, die uns aus der Vergangenheit ^aften. Immer deutlicher hebt sich über alle Öümde hinweg die Gemein- *P>aft der Erfüllten und Erneuerten ab. Im K. I. V. hat man mit studentischem ■"ormenkram, mit Mensur und Wiens gebrochen, in der Turnerschaft erwacht neUpr >!«..'.!!__f___tviüij-_ 01__i___i_ '____Li_____ /-Ii:__I ________ I_____A w/J? ^' 8 k e i t des Zusammenschlusses, um die gemeinsame Arbeit zur Tat eraen zu lassen und die Tumbewegutig zum Erfolge zu führen. BapoBI Bazalr. Von Rudolf Samuel, Berlin. Vorbemerkung der Redaktion: Vom 26.-29. Mai fand in Berlin der Palästina-Deiegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt, und einige Tage vorher berieten die Abgeordneten der zionistisch-volks-sozialistischen Partei Hapoel Hazair in einer besonderen Konferenz über ihre Stellungnahme zu den Palastinafragen. In dieser Vorkonferenz stellte man ein bestimmtes Arbeitsprogramm auf, das dann auch bei anderen Delegierten des Palästinatages Zustimmung fand, die sich mit den Vertretern des Hapoel Hazair zu einer „sozialistischen Arbeitsgemeinschaft" zusammenschlössen. Die Forderungen dieser starken und bedeutsamen Gruppe wurden von Herrn Dr. Max Strauss in seinem grosszügigen Referat „Kapital und .Arbeit",