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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 7 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
7 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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22 Man solle aber nicht etwa denken, dass man nur aus Zweckmässigkeitsgründen oder etwa Expansionsgelüsten zur Gründung derartiger Abteilungen schreiten wird, vielmehr wiird das Gefühl, die eigenen Gedanken und Erzienungsprinzipien in der noch völlig, unentfwickelten Jugend zu verwirklichen, einen grossen Faktor bei diesen Entschlüssen darstellen. Es ist nun schwierig, hierfür bestimmte Erziehungsmaxime oder Organisationsgrundsätze aufzustellen, denn noch keiner der bedeutenden Sportvereine hat sich an die jüngste Jugend herangewagt. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir etwap .Neues, Einzigartiges schaffen wollen, zu dem wir noch keinerlei Vorbilder haben. Für einen Turnverein ist dies nicht schwer. Hier heisst es einfach, die Turnübungen auf dem jugendlichen Körper einzustellen. Für einen Sportverein ist es dagegen erheblich schwieriger. Ein leichtathletischer Betrieb für 12—14jährige ist nicht einfach zu gestalten. Wenigstens wird er diese Jungens nicht restlos fesseln. Die „Ivria" hat als erste einen Versuch gemacht. 1916 wurde die Schüler-Abteilung gegründet und konnte sich zunächst wegen Mangels an Führern überhaupt nicht entwickeln. Erst in allerletzter Zeit wurde mit erhöhter 'Energie lan diese Aufgabe herangegangen. Hier lagen die Verhältnisse schwieriger als sonst. Dem Betätigungsfelde der „Ivria" zufolge hätte man hier mit Rudern beginnen oder wenigstens die Jungen in gewisse körperliche Vorübungen zum Rudern einweihen sollen. Aber derartige Vorübungen gibt es nicht. So ist man denn dazu gekommen, einen leichtathletischen Sport-Verein im kleinen zu bilden, bei dem Spielen, Wandern und Heim-Abende eine besondere Bedeutung haben. Die Struktur des Blau-Weiss hat uns hier manchen wertvollen Hinweis gegeben, nur müssen wir uns klar sein, dass wir uns in unserer Jugend-Arbeit ganz prinzipiell von ihm unterscheiden müssen. Er legt den Hauptwert auf die Gemeinschaft, dein Jünglingsbund. Sein Ziel ist die engste seelisch« Ztisammenkettung seiner Mitglieder. Sein Mittel ist ein stark ausgebildetes Führersystem. Der Führer ist nicht nur der Leiter und Erzieher in jüdischen Dingen, sondern der Mittelpunkt und das Band, um das sich der Zug sternförmig gruppiert. Wir brauchen ein ähnliches Führersystem, nur werden an den einzelnen schwerere Aufgaben gestellt. Er muss ausser den beschriebenen menschlichen Eigenschaften die Fähigkeit besitzen, die Abteilung in das sportliche Geleise zu fahren, und diese so weit, dass der Sport körperlicher und seelischer Mittelpunkt der Bewegung wird. Das Wandern ist an und für sich hierzu geeigneter. Ein jeder kennt die Wirkung einer Heuboden-Nacht auf jugendliche Gemüter. Durch dieses Wanderleben hat der Führer leichter Gelegenheit, in jüdischer Erziehung auf die Jungen zu wirken. Und diese Synthese von Körper und Geist des Führers ist von jeher das Hauptproblem der Turnerschaft gewesen. Es ist eine alte Erfahrung, dass nur derjenige Führer in der Sportbewegung von Einfluss und Bedeutung sein kann, der mit den sportlichen Fähigkeiten auch geistige und seelische Führerqualitäten in sich vereint. Eine Zweiteilung der Person ist hier unmöglich. Daher sind die Besten gerade gut genug für die Jugend-Abteilungen. Eine Jugendgemeinschaft stellt ganz besondere Anforderungen. Abgesehen von der erhöhtest Verantwortung verlangt die Jugend ein intensives Hinarbelten in das einzelne Gemüt. Eine Jugend-Abteilung als Neb e n - beschäftigung zu leiten, ist unmöglich. Sie wird den Betreffenden völlig ausfüllen. Es ist ein Unding, sich wie ein Lehrer den Schülern zwei Mal die Woche zu zeigen, ihnen einige schöne Dinge zu erzählen und ein paar Uebungefl vorzumachen, um bis zur nächsten Veranstaltung im Dunkel zu verschwinden. Eine Gemeinschaft von Aelteren hält sich leichter von selbst auf den Beinen, die Jugend will ständig im Zuge gehalten sein. Bei der Jugend ist das Gruppen-Wesen die einzig mögliche Gemeinschaftsform, unid wahrscheinlich wind es nötig sein, aucn die einzelnen Abteilungen in Oruppen und Untergruppen zu teilen. Mehr als 10 Jungen dürften kaum zusammengefasst werden. Doch gibt trotz aller Schwierigkeiten gerade diese Art von Arbeit besonders viel Freude und Schwungkraft, weil sie Dienst am Werke unserer Zukunft ist.

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