Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 uns teils in Betten — beati possidentes*) — teils auf Stroh, das uns eine harte, aber gesunde Lagerstätte bietet. Der zweite Tag führt uns über Prieros, durch die prachtvolle Duberow nach Gross-Köris. Hier verleben wir einen herrlichen, durch guten Pfingstkuchen verbrämten Abend. Ein schöner Mondscheinspaziergang über Land gibt uns Wasserjuden den Zusammenhang mit der Erde wieder. Man ist in einer anderen Welt auf solchen Fahrten. Der Jurist vergisst auf ein Weilchen die Verordnung vom soundsovielten (Amtsgesetzblatt Nr. 390 e), der Mediziner denkt nicht mehr an seinen „glutaeus maximus"**) »— das heisst: er denkt doch an ihn (wofern er nämlich auf festem Sitz gefahren ist); ein Gespräch mit der kernigen aber beschränkten Landbevölkerung klärt uns über die Wichtigkeit des Gemeindebullen auf, kurz: wir haben den Rückweg zur Natur gefunden, wir sind andere Menschen geworden. Am Mittwoch wenden wir die Kiele wieder, heimwärts geht der Schlag. Der vierte Tag brachte uns noch einen harten Strauss mit dem, wer weiss aus welchem Grunde empörten Elemente, aber alle Schwierigkeiten werden überwunden und angenehm ermüdet brachten w'r Donnerstag Abend unsere Boote wieder in den Stall. Die Pfingstfahrt 1919 ist für uns in mancher Beziehung lehrreich: nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit der I v r i a in praxi glänzend geklappt hat, so zeigte sich auch besonders, wie gemeinschaftsbildend eme solche Tour wirkt. Dieser schöne Kommunismus bis zum letzten Löffel Graupen (Nudeln, Kartoffelsalat), dieses durchs-Wasser-gehen des einen für den anderen, dieses Kameradschaftsgefühl, das Wir bundesbrüderlich nennen, wird sich auch in ernster Stunde bewähren. So waren wir alle vollauf befriedigt — mit einer einzigen Ausnahme allerdings: Mit Mühe nur konnten wir unsern Materialwart verhindern, sich in einen Paddelhaken zu stürzen. Sein Gesicht ze'gte einen finsteren Ausdruck: es lag etwas von entzwei gemachten Dollen und gesprungenen Planken darin. Darum: etwas mehr Vorsicht! b)'\7on~der 3ugend- und Frauen-Arbeit. 9ugend-flbteihingen der Sport-Vereine. Von Rudolf Schönheimer, J. R. C. „Ivria", Berlin. cj Sorge um wertvollen Nachwuchs beherrscht uns immer mehr. Ilnd "n Kriege ein Teil der Vereine darangegangen, sich Jugend-Abteif_u n g e n anzugliedern, aluf deren Schultern damals fast völlig der Betrieb J*?» so ist jettat dais Bedürfnis noch! stärker geworden1, sich Abteilungen aus ~°J£h«n Jugendlichen zu schaffen, die wegen ihres geringen Alters lur einen -Y?+*fn Sportsbetrieb noch nicht in Frage kommen. Ihre Mitglieder sollen j"CM Mitglieder der Vereine selbst sein, sondern lediglich unseren Nachwuchs heranbilden, einen Nachwuchs:, der dank besonders frühzeitiger jüdischer Erteilung zu den besten Hoffnungen berechtigen würde. *) Glücklich, die besitzen! **) Hauptgesassmuskel.