Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Sport. Von Fritz Engel, Rud.-V. J. St. und Ivria, Berlin. Man findet in unseren jüdischen Sportvereinen häufig die Meinung, wir nennen uns jüdisch, um den „Anderen" zu zeigen, dass; wir Juden garnicht das degenerierte und körperlich unbrauchbare Volk sind, tur das wir verschrieen werden. Das ist unrichtig. Tatsächlich gibt es unter uns Juden mehr schwächliche Leute als unter den ansehen Volkern. Man sehe sich das Durchschnittsmaterial der christlichen und dasjenige unserer Sportvereine an. Nur durch eine grossere Exklusivität suchen wir diesen Nachteil auszugleichen. Die Tatsache 0es geringerwertigen Materials auf unserer Seite ist ja auch nicht Verwunderlich, denn nach jahrhundertelangem Ghettoleben ist nichts natürlicher als ein Artwachsen der Zahl der Schwächlinge. Trotzdem erzielen unsere Vereine gute — teilweise sogar sehr gute — sportliche Leistungen. Das hat jedoch einen ganz anderen Grund. Wir gewinnen die Meetings nicht wie die anderen Vereine mit der rohen Kraft, sondern mit der Gesinnung. Die Juden, die in den grossen christlichen Sportvereinen Hervorragendes leisten, werden immer nur verschwindende Ausnahmen bilden. Warum leisten die vielen dem Namen nach „paritätischen" Vereine nichts, die üi Wirklichkeit doch vollständig verjudet sind? Sie haben eben nicht den Mut, offen zu bekennen, dass sie als Juden anders sind, d. h. dass sie von ganz anderen Voraussetzungen zum Sport gekommen sind, und dass sie andere körperliche und geistige Qualitäten mitbringen, also auch wenn sie etwas leisten wollen, diese Leistung auf anderem wege und mit anderen Mitteln zu erreichen suchen müssen. Der Mangel dieses Mutes zeigt sich dann eben in ihren Leistungen. Ihnen fehlt die Gesinnung, die jüdischesowöhl wie die sport- 11 che; denndieeineistohnedie andere nicht existenzfahig. Ich will ein praktisches Beispiel anführen. Wir, der J ü d 1 s c h e Ruderclub Ivria, lassen unsere Mitglieder eine ganze Saison und noch länger auf festen Sitzen rudern, d. h. wir behandeln sie als Anfänger. Kein Club kann das mit seinen Mitgliedern wagen, weil er dann binnen kurzem keine mehr hä^tte. Wer eine Ahnung vom Hudersport hat, weiss, welche Zumutung für die Disziplin der Leute, und wie gefährlich für den sportlichen Ruf des Clubs es ist, Anfangerboote mit festen Sitzen unter Flagge auf sechs- und mehrtägige Touren zu schicken. Die anderen Vereine treiben das Rudern zu ihrem Vergnügen, und können keine grossen Anforderungen an die Disziplin 'hrer Mitglieder stellen, die über das rein Sportliche hinausgethen. r 'ir machen unseren Junioren von vornherein klar, dass sie unter jüdischer Flagge Verpflichtungen auf sich nehmen, denen sie nur geweht werden können, wenn sie lernen, die höchsten Anforderungen an sich selbst zu stellen; erst dann werden sie etwas leisten, wenn mnen diese Energie so in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass deren Aeusserung spontan geschieht, und sie das Bewusstsein 7