Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Rudertag und dem neugewählten Vorstande des Verbandes geht deutlich hervor, dass jenes alte Kastenleben und der Standesdünkel dort noch lange nicht ihr Ende gefunden haben.*) An ein neues Aufnahmegesuch unsererseits ist also nicht zu denken. Uns besonders berührt die Stellung des D. R. V. zum Jugendruderverband, den er in jeder Beziehung zu Grunde zu richten sucht, weil der J.-R.-V. nicht ganz so antisemitisch und alldeutsch ist, wie das sonst in Ruderkreisen verlangt wird. Vielleicht wird ihm dies nicht schwerfallen. Durch die Bestimmung, dass keines seiner Verbandsmitglieder zugleich dem Jugend ruderverband angehören darf, ist dieser zu einem wesenlosen Gebilde herabgedrückt. Der J.-R.-V. sucht zwar durch Hintertüren diese Bestimmungen zu umgehen, doch ist es immerhin fraglich, ob er hiermit Erfolg haben wird. So ist es fraglich, ob wir auch späterhin im J.-R.-V. bleiben werden, der dann vielleicht nur noch aus Vereinen „zweiter Klasse" bestehen wird. Im übrigen kann der J.-R.-V. nicht im entfertesten die für uns brennende Regattafrage lösen, da zu seinen Veranstaltungen nur Ruderer unter 19 Jahren zugelassen werden. Unsere Aelteren müssen sich also andere Betätigungsmöglichkeiten suchen. Die Auspizien für unsere nächste sportliche Zukunft sind also keineswegs rosig, und es fragt sich, ob es uns möglich sein wird, für die uns nicht zugänglichen grossen Regatten einen Ersatz zu schaffen. Je mehr wir uns vergrössern, desto stärker muss die sportliche Erziehung sein. Die sportliche Arbeit an uns selbst und an anderen ist unsere Pflicht, der wir als Ausgleich für unsere engen freundschaftlichen Beziehungen innerhalb unserer Gemeinschaft bedürfen. Wollen wir diese Arbeit aufgeben, so laufen wir Gefahr, dass die Gemeinschaft zu einer nicht ungefährlichen Ueberkultur heranreifen könnte. Die interne Regatta kann niemals ein völlig befriedigendes Renntraining mit all seinen letzten Kraftanstrengungen bringen. Der Drang nach Regatten ist bei uns Nahrungshunger. Vielleicht Tcann uns die systematische Heranbildung zum „Match", dem allsonntäglichen Wettfahren mit den auf der Tour befindlichen fremden Ruderbooten, den genügenden sportlichen Schliff geben. Wenn wir wegen der schlechten Verhältnisse auf die intensive Sports-Ausbildung verzichten müssen, dann wehe uns. *Anm: Stichproben vom Rudertage: Aus dem neuen „Amateurparagraphen": „Mitglied eines Verbandsvereines kann jeder werden . •> dessen soziale Stellung und die Art sdner Tätigkeit iWn' aäsl rt e r r e n - rüderer erscheinen lassen." Aus dem Protokoll des Rudertages: .... ..Die gemeine Aushungerungs- und Vernichtungspolitik unserer Feinde und der furchtbare Zusammenbruch macht es uns Ruderern zur besonderen Pflicht, die dereinst bei feierlichen Veranstaltungen abgelegten Gelübde, allezeit treu zu K a i s c> und Reich zu stehen, nunmehr auch', wenn kein Kaiser mehr am Steuerruder unseres Staatsschiffes steht, bis zur äussersten Möglichkeit einzulösen.