Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5 erzielen, wenn wir jeden unserer Leute ganz, mit Haut und Haaren, erfassen. Weshalb hat der Blau-Weiss auf dem Sportfest so gut abgeschnitten? Weil seine Leute ohne Rückhalt und ohne Hemmung, ohne Kompromisse und ohne Halbheiten der einen grossen Sache ganz hingegeben sind. Wir verkennen nicht seine Fehler. Wir wissen, dass er nicht immer so discipliniert ist, wie wir es gewöhnt sind und verlangen müssen, und dass eine gewisse Ueberheblichkeit und ein etwas exklusiver Stolz uns manchmal vor den Kopf stossen. Aber wir wollen doch eins bedenken: Jeder dieser jungen Menschen hat eine starke' Revolutionierung seiner Seele durchgemacht, jeder wurde tief aufgewühlt durch das ungeheure, fast gewaltsame Erlebnis seines Judewerdens, und wenn diese Jungen und Mädchen deshalb heute noch nicht wieder die ausgeglichene Beherrschtheit haben, die man verlangt, so darf dies eigentlich nicht Wunder nehmen. Wir wollen nicht allzuviel am Blau-Weiss herummäkeln. Wir wissen genau, dass unser Erziehungsziel dasselbe ist, nur dass unser Weg grundsätzlich von dem seinen abweicht. In einer Hinsicht aber können wir auch für unsere sportlichen Erfolge vom Blau-Weiss lernen. Körper- Wehe Höchstleistungen sind nur möglich, wenn der junge Jude mit seinem ganzen Fühlen und Denken, Wissen und Handeln in unserer Gemeinschaft steht. Die höchste Oesinnung wird die höchste Leistung hervorrufen, und wenn dieser Satz vielleicht auch bei einzelnen, körperlich ganz besonders Befähigten, Ausnahmen zulässt, so gilt er doch mit zwingender Notwendigkeit für die Kraft der gesamten Gemeinschaft. Die Qesinnung, die uns von den »Kameraden" unterscheidet, wird uns auch zu höheren sportlichen Leistungen befähigen, die in einer restlosen Hingabe an das jüdische Volk besteht, und die alle Pflichten dieses Volkes deshalb" mit der, gleichen Begeisterung und Tatkraft erfüllt, die sittlichen Forderungen ebenso wie die geistigen, die körperlichen ebenso wie die sozialen, weil sie alle nicht als Einzelfälle betrachtet werden, sondern als immer wechselnde Erscheinungen des immer gleichen nationalen Lebens. Wissen wir nicht alle, dass Bildung keine messbare oder wägbare Menge von aufgenommenem Wissensstoff ist, dass man sehr gelehrt Und sehr ungebildet, aber umgekehrt sehr wenig in den Wissenschaften beschlagen und doch voll tiefer Herzensbildung sein kann? Warum also legen wir solchen Wert auf Kurse und Vorträge, da wir doch im Grunde die Stärkung der Gesinnung und nicht die Höherzüchtung des Intellekts erstreben? Auch auf diese letzte Frage wird eine befriedigende Antwort gefunden werden müssen, 7