Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 7 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Wir wollen versuchen, uns mit dieser Frage heute einmal ernsthaft und sachlich auseinanderzusetzen, denn sie ist in der Tat die Kernfrage unseres ganzen Erziehungsproblems, und sie zu lösen, fveisst die Grundlagen unserer Gemeinschaft feststellen. Zunächst ist eine Vorfrage zu beantworten. Wollen wir überhaupt Höchstleistungenerzielen? Für diejenigen; denen Turnen und Sport Selbstzweck ist, und die nicht wie wir der Ansicht zuneigen, dass auch die körperliche Betätigung eingestellt sein muss in den Rahmen der ganzen, vollendeten, jüdischen Persönlichkeit, für die ist jene Frage von vornherein mit J a zu beantworten. Aber auch wir, die wir Sport und Turnen als Mittel zum Zweok werten, glauben sie bejahen zu müssen. Wir wehren uns gegen die Auffassung, dass wir die körperliche Betätigung geringer einschätzen als die anderen, weil wir sie nicht zum Selbstzweck machen, sondern behaupten im Gegenteil: wer Turnen und Sport zum blossen Selbstzweck erniedrigt — nicht erhebt — der macht aus dem nationalen Regenerationsmittel, das Jahn in bewusster Vaterlandsliebe für sein deutsches Volk schuf, und das wir für unser jüdisches als brauchbar erkannt und angenommen haben, eine müssige Befriedigung des Egoismus oder des Ehrgeizes, bestenfalls eine hygienische Massregel. Sportlicher Ehrgeiz hat nur dann Sinn und ethischAi Wert, wenn er getragen wird vom nationalen Bewusstsein oder nationalen Instinkt. Deshalb gerade aber müssen wir Höchstleistungen erzielen, nicht etwa aus der negativen Apologetik der „Kameraden" heraus, um den „Anderen" zu beweisen, dass auch wir Juden turnen können, sondern im Gegenteil ganz positiv: als natürlichen Ausdruck unseres nationalen Selbstbewusstseins, das auf allen Gebieten Lebe» verbreitet und Leben verlangt. Wenn wir nun diese Vorfrage bejahen konnten, so erhebt sich nun das Hauptproblem: Wie aber sind jene Höchstleistungen zu erreichen? Genügt es, die ganze jüdische Beeinflussung lediglich von der blossen Tatsache des Beisammenseins zu erwarten, und so ganz auf geistige Tätigkeit zu verzichten, um die gewonnene Zeit auf dem Sportplatz oder in der Turnhalle zuzubringen, oder aber sollen unsere jungen Leute in dem Verein lediglich sich körperlich betätigen und ihre geistigen Bedürfnisse im BlaU- Weiss, Herzl-Club, K. I. V. oder sonst wo befriedigen, wie es auch schon von anderer Seite vorgeschlagen wurde? Auf diese beiden Fragen glauben wir mit einem entschiedenen Nei» antworten zu müssen. Nur dann werden wir sportliche Höchstleistungen