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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 53

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 53 (sequence 57)
Language
German
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Dieser Ton wird jeden Leser stark und tief ergreifen; uns ist er mehr als nur ästhetische Erschütterung. Wir fühlen bei all diesen Menschen den Herzschlag brüderlichen Blutes und grüssen sie, die armseligen Buchhändler «der Bettler im Polenlande; wir wissen, daß Juden zwar zeitlich und räumlich getrennt sein können, daß wir aber durch eine ewige Vergangenheit und oine ewige Zukunft unlöslich miteinander verbunden sind. S. Jüdische Helden*) Wenn wir heute, an der Schwelle einer neuen Zukunft, uns zurückwenden und umschauen nach der Arbeit, die bisher in Palästina in treu vorbereitendem Pionierdienst geleistet wurde, so fällt unser Blick in tiefer Dankbarkeit auf viele jüdische Gräber. Dort liegen jene Helden, die unsere aufblühenden Kolonien gegen die räuberischen Ueberfälle der Araber mit ihrem Leben schützten, die Bich freudig, ohne Rausch und in heiligster Nüchternheit, opferten für eine heiß erlehnte, nicht mehr erlebte größere Zukunft. Diesen Männern ist ein Gedenkbuch gewidmet, das von der Palästinensischen Arbeiterpartei Hapoel hazair in hebräischer Sprache herausgegeben wurde und nun auch weiteren Kreisen durch eine deutsche Uebersetzung zugänglich gemacht worden ist. Man könnte allerdings darUber streiten, ob es angemessen war, das Andenken der tatkräftigen, herben und nicht sehr redseligen Männer, die für unser Volk, die für jeden einzelnen von uns den Opfertod gestorben sind, auf «ine so wortreiche, eine immerhin so literarische Art zu ehren, wie es in dem Buche Jiskor geschieht. Man könnte die Frage aufwerten, ob es nicht einen unseligen Rückfall in die Zeiten unserer Üebergeistigkeit und blutlosen Schwache bedeutet, wenn man sich beeilt, aus Taten Worte und aus Gräbern Bücher zu machen. Diese Bedenken wären berechtigt, wenn nicht wir Leser •die Gewähr übernehmen würden, daß wir jenes Werk in einem anderen Geiste lesen als irgend ein beliebiges. Bei uns liegt es jetzt — nicht mehr bei den Verfassern und Herausgebern —, dieses Gedenkbuch zu einem wirklichen Ehrenmal zü machen, wehe uns und wehe den Toten, falls ihre Lebensarbeit und ihr Sterben uns nicht mehr sein sollte, als ein ästhetischer Genuß. Wenn wir aber mit dem gebührenden Ernste an jede Zeile herangehen, dann sind die Wächter der jüdischen Ehre nicht umsonst gefallen; wenn wir uns ihren Geist und Willen aneignen, wenn wir ihn zu lebendiger Tat auswirken lassen, dann können sie im Laufe der Zeiten zwar wieder namenlos werden und ihr persönlicher Ruhm mag verblassen, aber sie hätten für alle Ewigkeit mehr gewonnen als äußere Ehre: sie lebten fort in uns und unserem Lande. Um uns nun diesen ihren Geist anzueignen, genügt es nicht, ihn in seiner Große gefühlsmäßig und bewundernd zu erfassen, sondern wir müssen auch im einzelnen sagen können, wie. er sich auswirkt und worin er besteht. Denn von uns selbst verlangt man und verlangen wir nicht allgemeine Vorsätze oder schwungvolle Programme, sondern Betätigung dieses Geistes durch Arbeit. Deshalb wird es vielleicht nützlich sein, einzelne Gestalten des Buches in ihrer ganzen Verschiedenheit zu betrachten, und dann ihr Gemeinsames, «PenJenen Geist festzustellen. Da ist Berl Schweiger, der aus Odessas ärmlichster und engster Gasse stammt und in dessen zwanzig Jahren sieh Uebermut und Verantwortungsgefühl seltsam mischen. Er ist ein frischer Junge, der voller Freude seine Körperkraft genießt, der sogar voll naiver Roheit im Glücksgefühl des Siegers den überwundenen Araber prügelt, und ist ein Mann, der nach schwe- *) Jiskor. Ein Büch des Gedenkens an gefallene Wächter und Arbeiter im Lande Jsrael. Jüdischer Verlag, Berlin, 1917. Preis: 6,60 M. i» 53

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