Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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kat jede auf besondere Weise uns beglückt und \me das Märchenhafte schauen lassen, da das gestaltende Wort des Dichters ihnen das Eintägige, Durchscheinende nahm und Glanz der Dauer darum breitete. Denn dies alles steht nicht seiner selbst willen da, beiläufig oder um die registrierende und zerfasernde Virtuosität des Schildernden zu bezeugen, sondern eine weis© Hand holt gerade dieses aus der Fülle der Erscheinungen; da wird es nun dem Ablauf die Erzählung innerlich verbunden und erhält aus dem Seelischen, das es begleitet und bildhaft werden läßt, einen echten Sinn. Der anekdotische Hergang sei ganz kurz angedeutet: Menasche Ohajim, ein ehrsamer Jude aus Buczacz kämpft mit Kreindel, seinem Weib, tapfer gegen den Verfall von Geschäft und Habe an. In der schlimmsten Not, da ihnen schon der Hunger in den Stuben sitzt, entschließt sich der Mann, nach der Sitte frommer Verarmter, vom heimischen Rabbi einen Empfehlungsbrief zu nehmen, und geht damit auf lange Wanderschaft; vielleicht wird er genug fromme Gaben zusammenbringen, um zu Kreindel, die im Elend zurückbleibt, heimzukehren und aufs neue einen ehrlichen Handel aufzutun. Die Pein des Bettlertums setzt ihm hart zu, nur langsam mehren sich die Gaben und die Hoffnung will ihm schwinden. Da tritt in einer schlimmen Stunde der Versucher an ihn heran und Menasche verkauft den Brief des Rabbi an einen schlauen Schnorrer. Er will aber nicht mit ledigen Händen vor sein Weib treten; da er wieder Geld bei sich weiß, treibt es ihn eilig nach Jaslowitz, auf dem großen Jahrmarkt Ware und alles Nötige zu beschaffen. Wie er dort zur Sättigung einen Imbiß nehmen will, übermannen ihn der Hanger und die Erinnerung der guten Zeiten. Er hält ein maßloses Gelage ab und in der Trunkenheit verliert er das schwer errungene Geld. Während jetzt Menasche seinen Leidensweg wieder aufnimmt und in großer Reue ein neues Vertrauen auf das Gelingen seines Betteins faßt, ist der neue Besitzer des Briefs, noch ehe dieser ihm etwas einbrachte, im Rausch hingerafft worden. Die ihn im Bethaus tot antrafen, ließen ihn einscharren und sandten zum Zeichen des Todes den Empfehlungsbrief an die vermeintliche Witwe, die in Verzweiflung der Heimkehr harrte. Als sie sich nun frei wähnte, nahm sie die Werbung eines trefflichen Mannes an und fand ein reichliches Auskommen. Nach einiger Zeit soll sie einem Sohne das Leben geben, in denselben Tagen, da Menasche der hoffnungslosen Wanderung ein Ende machte. Wie er in Buczacz anlangt, erfährt er von einem andern Bettler, daß zu Ehren des Neugeborenen ein Festmahl bereitet werde, und erkennt die unselige Verknotung seines Schicksals. Da nimmt er es auf sich und wandert, ein Namenloser, wieder über das Land, damit ihn der Tod bald ereile. Er wird ein Freund der Friedhöfe und der offenen Gräber und findet, da Schwäche ihn zum Verweilen nötigt und ein schlichter Totengräber ihn bei sich behält, eines Tages einen neuen Grabstein vor, und auf ihm seinen Namen. Der Stein sollte den Leichnam des achlauen Schnorrers bergen; mit Pracht und Liebe hatte ihn Kreindel errichten lassen. „Und der Wächter," (so endet die Erzählung), „der in der Geschichte Bescheid wußte, die wir oben erzählt haben, verstand es, den Grabstein für den aufzustellen, der seiner würdig war, und gab Namen und Andenken in Israel Menasche Chajim, dem Priester, der dahinging ohne Kinder. Und als der bestimmte Tag kam, da stand Kreindel Tscharne auf Menasche Chajims Grab und Tränen fielen auf seine Asche." Diese in der bloßen Aufzählung unverwickelt und übersichtlich erscheinenden Vorgänge sind nun in eine Fülle von Leben hineingestellt und werden immer wieder abgelöst von eingefügten großen Anekdoten und in epischer Breite ausladenden Schilderungen der Gastmähler, des Jahrmarkts and vieler Judengruppen. Dermaßen klar und in allen Teilen so vorzüglich afc- £wogen und gegliedert ist aber die Erzählung, daß selbst in dem Gedringe r Nebensituationen ihr Gefüge sich nicht verschiebt. Breit mündet sie in den Schlußteil ein, der die innere Gewalt der ruhig ausströmenden Geschehnisse süß fn sich sammelt. — Der minder begabte Dichter, der sich mehr auf äußere Spannung als auf die Eindringlichkeit seines Erzählens verläßt, wir« hier andere verfahren. Die Geschichte des heimkehrenden Gatten, dar «sta 48