Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Lehrbuch zu arbeiten begonnen, doch geht es nur sehr langsam vorwärts. Es fehlt mir die nötige Konzentration, und dann will ich im Rath nur arbeiten, wenn ich persönlich das Verlangen habe, in einer freien Stunde Hebräisch zu lernen. Dieses Studium soll mir mehr sein, als die bloße Erlernung einer neuen Sprache. Es soll mich mit meinem Judentum fester verbinden. —- C. F. H Ostjuden Wer nach vierjährigem Frontdienst das Glück hat, mit gesunden Gliedern nach Hause zu kommen, der hat ehrlich das Bestreben, den Krieg mit ail dem, was er gebracht hat, tunlichst zu vergessen. Um Entbehrungen, Strapazen und Gefahren legt zwar die Erinnerung ihre versöhnenden Schleier, aber es bleibt noch genug von Alltäglichem und Kleinlichem übrig, woran man am liebsten nicht mehr rührt. Es wurde ja für uns Juden bald klar, daß wir auf verlorenem Posten standen, daß es für unseren jüdischen Menschen nichts zu gewinnen gab, aber wir glaubten doch für eine erechte Sache der Menschheit unser Leben zu opfern, bis auch aran die Zweifel aufstiegen und uns die ehrenhafte Erfüllung unsrer Pflicht innerlich so schwer machten. Ich habe draußen oft gute Kameradschaft erfahren, aber grade dann, wenn sie sich zu vertiefen begann, wurde mir die Verschiedenheit bewußt, mit der ich im Gegensatz zu den anderen, den Nichtjuden, die Dinge ansah.. Trotz aller äußeren Geselligkeit fühlte ich mich doch immer fremd und darum denke ich mit Dankbarkeit der Stunden zurück, die ich in Rußland in jüdischen Familien verlebte; sie waren mir draußen ein Stück Heimat. Es kann sein, daß darin der Grund liegt, wenn ich die Ostjuden durch eine gefärbte Brille sehe, wie man mir oft vorwirft; und doch glaube ich in meinem Urteil gerecht zu sein, wenn man überhaupt von einer Mehrzahl von Eindrücken aus verallgemeinern darf. Möglicherweise habe ich mit meinen Bekanntschaften großes Glück gehabt, aber ich glaube, die widersprechenden Meinungen, denen man häuf ig bei judischen Soldaten begegnet, haben einen mehr subjektiven ols objektiven Grund. Wenn matt allerdings; an die Ostjuden den Maßstab des Ritters sans peur et sans reproche anlegt, wie viele Juden aus Deutschland es aus Furcht vor dem Vergleich seitens ihrer christlichen Kameraden taten, dann findet man gewiß viel Schatten und wenig Licht. Es ist mir aufgefallen, daß der gewöhnliche christliche Soldat ein viel ver- ständnisvolleres und wohlwollenderes Urteil hatte, weil ihm diet* 4a