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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 35

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 35 (sequence 39)
Language
German
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nehmer in Betracht kommenden Industriekunden ihr Mittel stärkte und die sich zur Plazierung ihrer industriellen Emmissionen nicht der Werbearbeit der Depositenkassen, sondern der Börse und der Provinzbankiers bediente. In den anderen Großbanken sitzen Männer — tüchtig und angesehen, wenn auch weniger originell als Fürstenberg — wie Mankiewicz, Wassermann und Heinemann (Deutsche Bank), Salomonsohn (Diskontogesellschaft), Jüdell (Dresdner Bank) sowie viele getaufte Juden, wie Gutmann (Dresdner Bank), der sein Unternehmen durch schicksalsschwere Jahre zur Blüte führte. Aber es stiegen die Stufenleiter zur Spitze des Aktienturms doch nur wenige empor, während dafür ungleich größere Kreise, die vor sechzig Jahren, in kapitalärmeren, aber für die Einzel- Initiative günstigeren Zeiten, große Auswirkungsmöglichkeiten gehabt hätten, heute auf einen engen Raum beschränkt worden sind. Diesen doch noch immer relativ Bedeutenden ergeht es in der Einengung ihres Arbeitsradius so wie den ungezählten Niederen, der Masse der jüdischen Kleinkaufleute, die insbesondere im Handel mit Vieh und ländlichen Produkten in Verbindung mit dem Geldleihgeschäft durch die in den letzen Jahrzehnten gewaltig erstarkten Raiffeisen- und Schultze-Delitzsch-Genossenschaften (im Osten des Reiches durch die polnischen Genossenschaften und Kreditbanken) aus dem Sattel gehoben worden sind. Wie ihre größeren Brüder durch die Assoziation des Großkapitals, so sind sie durch die Zusammenfassung der Gelder der „kleinen Leute", durch das gleiche Prinzip der Konzentration im Wirtschaftsleben ausgeschaltet worden. Die jüdischen Bankiers und Kaufleute teilen dieses Geschick im allgemeinen mit den übrigen, mit dem gesamten nicht aktiengesellschaftlich organisierten Mittelstand, nur daß sie weit mehr als die nichtjüdischeBevölkerung unter dieserUmschichtung leiden, weil sie all diese Berufe in viel höherem Grade durchsetzt hatten, als es ihrem zahlenmäßigen Anteil am deutschen Volk entsprach, da ja die soziale Struktur des deutschen Judentums überwiegend auf die Betätigung in Handelsberufen eingestellt war. Außerwirtschaftliche Ursachen kamen hinzu, um die Position der deutschen Juden weiter zu schwächen: Taufe und Mischehe haben zahlreich große und gutfundierte Familienunternehmungen allmählich jüdischen Händen entwunden. Es sei im Bankgewerbe nur an die großen Firmen Mendelssohn & Co., Oppenheimer in Cöln, Hardy & Co. in Berlin und an das nur zum Teil noch und auch da in der letzten Generation in jüdischem Besitz befindliche Bankhaus Bioichröder erinnert. Kein Zweifel, daß der jüdische Einfluß als solcher im deutschen Wirtschaftsleben wohl im Schwinden begriffen ist, da Kapitalkonzentration die private Initiative bedroht und das deutsche Judentum selbst immer mehr auseinanderfallt. Dessen ungeachtet aber können die von tatkräftigen Juden ausgegangenen 4 35

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