Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Wirkungen nicht vergehen. Allzuviel von den Untermauerungen und Grundsteinen, die das Gebäude der deutschen Volkswirtschaft stützen, ist von Juden herbeigetragen, als daß es je in Vergessenheit geraten könnte. Vor allem aber der kaufmännische Geist, der nicht ins Krämerhafte und Kleinliche ausartet, der zwar nicht gern alles auf eine Karte setzt, aber auch das Risiko als zum Handelsbetrieb gehörend, nicht scheut. Der weithin laufende Fäden geschickt anzuknüpfen weiß und den wirtschaftlichen Bedürfnissen nicht nur des Augenblicks, sondern auch der näheren Zukunft ein blitzschnelles Erkennen und vorauseilendes Verständnis entgegenbringt. Der mit sprichwörtlicher Freigebigkeit seine Gewinne dazu benutzt, Kunst und Wissenschaft zu fördern und sein Herz und seinen Geldbeutel vor ins Unglück geratene Standesgenossen nicht verschließt — dieser jüdisch kaufmännische Geist, diese glückliche Mischung von Willensstärke, Intellekt und fein entwickelten Instinkten, ist so leicht nicht niederzuringen. Gerade ihn braucht das neue wiederaufstrebende Deutschland so nötig wie das tägliche Brot. Die Klugheit und Geschicklichkeit des jüdischen Kaufmanns, dessen Beziehungen Ozeane überspannen und Ländergrenzen überbrücken, ist imstande, dem niedergebrochenen Lande bei der ungeheuer schwierigen Aufgabe der allmählichen Wiedereinflechtung in die Maschen der Weltwirtschaft unersetzliche Dienste zu leisten. Im deutschen Interesse liegt es, nicht durch Fortsetzung des alten unwürdigen Systems der Begünstigung von Judentaufen und Assimilation die Auflösung der deutschen Judenschaft zu beschleunigen und den jüdischen Geist durch Rassenvermischung untauglich für die seiner harrenden Aufgaben zu machen. Und die deutsche Staatsraison erfordert es weiter, zu versuchen, die in der Ostjudenpolitik im Kriege vom alten Regime begangenen schweren Fehler wieder halbwegs gut zu machen, indem die deutsche Weltpolitik dem nationalen Charakter der Judenfrage gerecht wird. Denn nur so kann die Sympathie der im Kriege schwer enttäuschten jüdischen Massen sich Deutschland je wieder zuwenden, ohne deren Entgegenkommen auch der deutsch-jüdische Kaufmann, will er für sein Land weltwirtschaftliche Arbeit beginnen, ins Leere greifen muß. Berlin Hans Goslar 36