Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Es bedurfte für den, der Deutschlands Wirtschaftsgeschichte kennt, nicht des — trotz seiner Schwächen vielfach grandiosen — Sombartschen Judenbuches, um den Eindruck zu vertiefen, daß die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in einem, gemessen an der absolut und relativ so kleinen Zahl deutscher Juden, geradezu staunenerregenden Umfange durch jüdische Kaufleute gefördert worden ist. Instinktiv war den deutschen, noch lange bis in die Neuzeit hinein in zünf tierischen Anschauungen steckenden Kaufleuten wohl stets das Wesen des Juden unsympathisch. Denn der Jude hielt sich nicht sklavisch an einen Erwerbszweig lebenslang gebunden, er klammerte sich nicht bureaukratisch an das im geschäftlichen Leben Ueberlieferte, er sprang vielmehr bald hierhin, bald dorthinüber und griff in andere, schnell von ihm in ihren Grunderfordernissen erfaßte Berufszweige über, in denen er lohnende Aussichten winken sah. Trotzdem oder gerade deshalb sind die Fernwirkungen jüdischen Unternehmungsgeistes gewaltig groß geworden. Das ganze Land zog unendlichen Nutzen aus ihnen, und gewiß ist Deutschlands wirtschaftliche Entwicklung durch das jüdische Element um Jahrzehnte beschleunigt worden. Es gibt wenige Gebiete des Handels, denen nicht der deutsche Jude die Ausdehnungsmöglichkeiten geweitet hat. Nur nebenbei sei darauf hingewiesen, daß die ersten deutschen Eisenbahnen mit Rothschildschem Gelde finanziert wurden, und daß auch die Eisenbahn- und Industrieprojekte des kühnen Abenteurers Strousberg dem Lande mehr Nutzen als Schaden gebracht haben. Die Arbeit eines Emil Rathenau auf dem eigentlichen und den Grenzgebieten der Elektrotechnik, eines Albert Ballin um den Ausbau und die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Passagierschiffahrt, sind auch dem sonst wirtschaftlich Unorientierten bekannt. Juden, wie Tietz, Wertheim, Jandorf, Embden, waren es, die mit ihren Warenhausschöpfungen für die Geschmackskultur und die billige Bedürfnisbefriedigung des Mittelstandes, aber auch für die Ausbildung der Angestelltenschaft und die Heranbildung zahlreicher selbständig zu disponieren gewöhnter Beamter viel und immer Neues getan haben. Dabei war das Warenhaus keineswegs, wie von seiner Konkurrenz durchweg behauptet wurde, unsolide und deshalb billig; sondern es baute sich nur auf dem neuen Prinzip auf, durch Ausschaltung des Großhandels die Ware direkt vom Erzeuger zu beziehen und sie so dem Publikum verbilligt um das Verdienst des ersten Zwischenhändlers direkt zuzuführen. Ein Gedanke, der, angesichts der Notwendigkeit kostenersparend und möglichst rationell zu arbeiten, in der Zukunft in dieser und jener Form wohl auch sonst für unsere Wirtschaft nutzbar gemacht werden wird. — Die Holle, die die deutschen Juden im Bankwesen gespielt ' laben und teilweise noch spielen, ist ebenfalls bekannt ohne <t 33