Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kaufleute im deutschen Wirtschaftsleben Wenn wir die Leistung jüdischer Kaufleute in Deutschland beurteilen und in ihrer Wirkung au! das gesamte deutsche Wirtschaftsleben abschätzen wollen, so müssen wir zunächst ein wenig die jüdisc he Psyche zu ergründen suchen. Der Jude ist ein bewegliches, ein durchweg nervöses Element. Er ist, infolge einer — sei es angeborenen, sei es im Laufe der Jahrhunderte mit ihren unerhörten Anforderungen an seine geistige Elastizität erworbenen — Feinfühligkeit für kommende Konjunkturen und Zeitwenden, seines hochentwickelten wirtschaftlichen Tastgefühls, seines schnellen und zumeist sicheren Blickes für Zukunftsaussichten und Gewinnmöglichkeiten, aber auch durch eine gewisse Freude am Großzügigen und sogar am Waghalsigen, vor allem aber auch durch eine stark ausgeprägte Abneigung gegen jedes Schematisieren und gegen alles in seinen Ausdehnungs- und Gewinnmöglichkeiten Begrenzte, der geborene Kaufmann. Kaufmann in dem Sinne des vom spekulativen Einschlag nicht freien (wenn Spekulation rechtzeitige Erfassung und zeitige Einstellung auf mögliche Gewinnaussichten bedeutet), sich nicht an vorgezeichnete Entwicklungslinien bindenden, eigene Wege gehenden, geistig produktiven Mannes. Im allgemeinen paßt der Jude kaum zum Beamten, weil ihm ein stufenmäßiges Aufrücken, das dem Mittelmäßigen zumeist die gleichen Chancen bietet wie dem Bedeutenderen, widerstrebt. Weil er es schwer erträgt, einen sorgsam vorgezeichneten Lebensweg vor sich zu sehen, dessen Meilensteine im allgemeinen auch mit stärkster Kräfteanspannung nicht schneller zu passieren sind, als es die auf den Durchschnitt zugeschnittene Vorschrift will. Weil es ihm, der zweitausend Jahre lang genötigt war, sich in jeder Gesellschaft, in jedem Staat, erst durch die Gewalt besonderer Leistungen seinen Platz zu bahnen, im Blute liegt, sich aus eigener Kraft Bahn zu schaffen — dann aber auch in der geheimen Hoffnung uneingeschränkter Auswirkungsmöglichkeiten. Diese Grundstimmung aber und die Abwesenheit der den Musterbeamten ausmachenden Eigenschaften prädestinieren ihn zum wagenden und zum bahnbrechenden Großkaufmann. 32