Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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eingliedert, in einem gewissen Gegensatz zu ihren Vätern stehen. Die Spannung zwischen Alt und Jung ist das Kriterium jeder Jugendbewegung. Gewiß schlössen sich auch nichtsozialistische junge Juden zum „Jüdischen Jugendbund" (J. J. B.), zu zahlreichen „Jugendvereinen", zum „Kartell-Convent" (K. C.) zusammen, während sich die Freideutschen hermetisch vor ihnen verschlossen. Vielleicht spielte in die Gründung aller dieser Organisationen die unterbewußte Tendenz hinein, die jüdische Jugend irgendwie zu gemeinschaftlichen, sozialen Menschen zu erziehen und sich so den Weg zu den „Anderen" zu ebnen. Tatsächlich beschränkte man das spezifisch jüdische Leben in jenen Vereinen und Bünden auf das denkbarste Minimum, übernahm wahllos deutsche Sitten and Gebräuche, fremde Lebensformen, und erreichte das Gegenteil des Beabsichtigten. Einmal nämlich ist Gemeinschaftsbewußtsein als solches, sobald es den Menschen erfüllt hat, nie ein allgemein-menschliches, farblos internationales Gefühl, sondern stets mit bestimmten, der Wesensart seines Trägers entsprechenden Energiemomenten durchsetzt, gleichsam völkisch geladen. Die Fähigkeit, mit Menschen zusammenzuleben, ist ohne weiteres allgemein die Fähigkeit, mit dem eigenen Volke, vorerst nur mit ihm, zusammenzuleben. Die deutsche, in „Bewegung" geratene Jugend wuchs automatisch, als sie sozial empfinden lernte, in ihr Volk hinein; und es ist außerordentlich bezeichnend, daß selbst der (angeblich unvölkische, internationale) Spartakismus, wie ihn heute die radikalsozialistischen Freideutschen gegenüber dem völkischen Flügel vertreten, nicht der Bolschewismus etwa eines Lenin, sondern ein Kind durchaus deutscher Geistesart ist. In dem Augenblicke also, in dem die nichtsozialistische jüdischdeutsche Jugend, die sich instinktiv das soziale Erleben deutscher Gemeinschaft gewaltsam erzwingen wollte, sich von jüdischvölkischenLebensformen und Seinsfundamenten abwandte und sich hinfort darauf beschränkte, hin und wieder harmlose Vorträge über mosaische Ethik oder talmudische Methodologik anzuhören, — in diesem Augenblick entzog sie gewissermaßen apriorisch dem Gemeinschaftsempfinden, noch bevor es überhaupt erwuchs, den Nährboden, auf dem es einzig hätte gedeihen können, und streute den Samen in ein unreines, ungeeignetes Erdreich, in dem er verkümmern mußte. Und vor allem: diese Jugend, die von jüdischem, ihr adäquatem Geist einzig den Teil anerkannte und übernahm, den die letzte Generation sich bewahrt hatte, nämlich den konfessionellen, die recht eigentlich im Kern ihres Wesens sich restlos an die alte Generation assimilierte, wurde ein Anhängsel, ein Ableger der jüdischen Erwachsenenschaft, hörte auf, „Jugend" zu sein. Oder 28