Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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ist es das Zeichen unbedingter, durch wirtschaftlich-berufliche Rücksichtnahme noch nicht verbogener Denkungsart, ist es jugendlich, wenn etwa der K. C. in zahlreichen Auseinandersetzungen mit zionistischen Akademikerverbänden als ausschlaggebendes Argument lediglich anführt, daß hinter ihm die Masse der „deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens" stehe, dafi er das Alter habe? Die Jugend entscheidet! Die Jugend aber strömte in immer dichteren Scharen den nationaljüdischen Organisationen, den zionistischen Gemeinschaften zu. Hier war der Ort, wo die nach Gemeinschaft drängende, bewußt jüdische Jugend — denn der Individualist, der Einsame sehnt sich immer nach einem Ganzen, dem er sich eingliedern kann—organisch in ihr Volk hineinwuchs, hier war die Wiege des jugendlichen, sozial gerichteten Zionismus. Entwicklung und Wachstum der hier erstehenden Organisationen, des im Winter des Jahres 1912 gegründeten Jüdischen Wanderbundes Blau-Weiß, der Turnerschaft Bar-Kochba, des Rudervereins Jvria, und vor allem der großen Vereinigungen, des Kartells Jüdischer Verbindungen (K. J. V.), das unmittelbar vor dem Kriege aus einer Fusion des Bundes Jüdischer Corporationen (B. J. C.) und des Kartells Zionistischer Verbindungen (KZ. V.) entstand, und des Herzl-Clubs — die Geschichte aller dieser und vieler anderer Gemeinschaften junger Nationaljuden beweist, daß die Juden mehr als eine durch Glaubenssätze und religiöse Riten zusammengehaltene Schar, daß sie ein durch Blut und Kultur, durch seelische Bindungen jeder Art verknüpftes Volk sind. Denn wie wäre anders die Tatsache zu erklären, daß die in jenen Gemeinschaften zu sozialem Empfinden erzogenen jungen Juden nicht nur nicht in die Freideutsche Jugend hineinwuchsen — was bei Zugrundelegung nichtzionistischer Gedankengänge hätte der Fall sein müssen —, sondern daß die hier Aufgewachsenen oft genug spontan, ohne systematische programmzionistische Beeinflussung, den jüdischen Volksgedanken glühend und leidenschaftlich bejahen lernten? Wie sollte ein Gemeinschaftsgefühl national gefärbt sein können, das in einer Menschengruppe entsteht, die nur ein geistig-abstraktes Band religiös-ethischer Ideen verknüpft? Gewiß waren diese Verbände und Gemeinschaften von Zionisten aus zionistischen Gesichtspunkten gegründet worden; denn nur eine starke, überpersönliche Idee, der Zionsgedanke, vermochte jene ersten, im Grunde individualistischen Nationaljuden zusammenzuschweißen. Aber wie erklärt man sich die rätselhafte Kraft, mit der im Laute ihrer Entwicklung die Vereinigungen und Bünde der jungen Zionisten die bewußte jüdische Jugend immer entscheidender, immer eindeutiger in ihren Bannkreis zogen, anders als durch das starke jüdische Leben, das hier zu machtvoller Wirkung nach innen und nach außen erwacht war? k »