Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6492385-5965061-5965385-5965403--448-4922950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
zu restloser Verwertung der Kräfte seines G e i s t e s im Dienste der Gemeinschaft, zu beglückender Entfaltung aller schlummernden und ungenützten Anlagen, zur Ausprägung des „Wesentums". Was ist „Wesentum"? Kurella, der dieses Wort prägt, erklärt im Septemberheft der „Freideutschen Jugend" 1918 Wesentum als „die Tätigkeit eines Menschen, deren Form und Bedeutung seinem Wesen am tiefsten entspricht". So ist Wesentum aufs tiefste mit der Berufswahl des Einzelnen verknüpft. Der Wandervogel allerdings hatte der Frage des Berufs gegenüber eine durchaus indifferente und sogar verneinende Stellung eingenommen, einnehmen müssen. Denn „die innere Abkehr vom Beruf" ist, wie Wyneken einmal ganz richtig feststellt, „eine Verleugnung des persönlichen Anteils am großen Völkerschicksal der Mechanisierung"; die in dunklem Drange in Feld und Waid Innausstürmende Jugend aber wandte sich notwendig, wie oben gezeigt wurde, von der Umwelt, vom Sein der Väter ab, isolierte sich verzichtend, verleugnete jeden persönlichen Anteil „am großen Völkerschicksal der Mechanisierung" und baute sich „eine Insel der Werte im Meer der Zwecksetzerei". Die bewußteren, „intellektuellen" Freideutschen jedoch, die Freunde und Jünger Wynekens, die es als ihre heiligste Aufgabe betrachteten, in tätiger Mitarbeit, in rastloser Hingabe Volk und Staat, wirtschaftliche, politische und geistige Verhältnisse zu veredeln, wissen, daß sie ihre Ziele nur erreichen können, wenn sie einen Beruf wählen, in dem sie zur Auswirkung ihres „Wesentums" gelangen. „Beruf als Wesentum ist die Erhaltung der Jugend im Leben, denn Wesentlichkeit ist ewige Jugend." Und: ... der wahre Beruf wird nicht vom Einzelnen geschaffen, sondern im Zusammenwirken mit dem Geiste der Gemeinschaft" (Kurella). Das heißt: nur als Glied seiner Gemeinschaft, seines Volkes gelangt der Mensch zur Entfaltung seiner Kräfte. Der Jude des Galuth also, der entwurzelte Individualist ohne Gemeinschaft paßt — mit geringen Ausnahmen —■ „nicht in die Freideutschen Gruppen", wie M. Bondy, ein Jude, freimütig in jenem Doppelheft der „Freideutschen Jugend", das die Frage des Antisemitismus behandelt, erklärt; er bildet in ihnen ein störendes heterogenes Element durch die Tatsache seiner andersrassigen Wesenhaftigkeit und seiner unproduktiven, unentfalteten Geistigkeit. IV Jugendbewegung ist Selbstbefreiung der Jugend von einer ihrer Eigenart nicht gereehtwerdenderi Kultur — wenn anders dieser Leitsatz unserer Arbeit richtig ist — und daß er richtig ist, geht aus den obigen Ausführungen hervor —» so muß jede, ihres Selbst bewußte Jugend, auch wenn sie sich mit sozialem Willen 4 27