Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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die zionistenfreundliche Einstellung der Freideutschen: nicht, wie unsere sich assimilierenden Brüder bisweilen hämisch behaupten, als verdecktes Bestreben eines von gemeinen Instinkten geleiteten Antisemiten, die Juden auf anständige Manier „loszuwerden", sondern als Wirkung eines tiefen Gemeinschaftsbewußtseins, als edles Mit-Leid einer Jugend, die weiß, daß — um mit Dehmel zu reden — Gemeinsamkeit alles Glück, Einsamkeit alles Leid ist. In dem Heft der „Freideutschen Jugend" (Jahrgang II, Heft 10/11), das der Judenfrage gewidmet ist, gelangen diese Anschauungen offensichtlich und klar zum Ausdruck. Auf niederer Stufe der Erkenntnis steht der Beitrag von F. Rust (B. D. W.), der etwa schreibt: „ Ich finde es lächerlich, wenn ein Jude am Sonnwendfeuer steht und Wunschholz in die Flammen wirft. Wo bleibt da der Sinn für das Erhabene?... Es ist verächtlich, wenn ein Jude sein Volk verläßt... Ein edler Jude hat innerhalb seiner Rasse viel zu tun." Wohlgemerkt: die Gedanken und Gefühle, die diesen Aufsatz beherrschen, sind echt und können nicht von der Hand gewiesen werden; nur fehlt ihre Begründung, die Klarheit. Zu einer vollen Erkenntnis der Zusammenhänge aber gelangt F. W. Förster, der bekannte Gelehrte, der erklärt: „ Ist es nicht charakteristisch, daß wir gegenüber dem fest in sich selbst und im Bewußtsein seiner großen Tradition ruhenden orthodoxen Juden niemals die Gefühle der Geringschätzung in uns auftauchen sehen?", der so als den Grund alles Uebels die Wurzellosigkeit des modernen Juden enthüllt. . Im großen Ganzen also verfolgt die deutsche Jugend unserer Tage bei der Lösung des Judenproblems, der „Frage aller Fragen", die Wege, die der Schöpfer ihrer Bewegung, Karl Fischer, der erste Großbacchant ihr gewiesen hat: „Fischer verkehrte mit Juden und wollte, daß diese sich zusammentäten, so daß Nation neben Nation stände und jeder wüßte, wo der andere sei. Fischer besaß Anerkennung und Würdigung des fremden Wesens, aber er verlangte von den Juden auch, daß sie sich zu einer semitischen Kultur verstünden, wie er zu einer germanischen; dann wolle er sie achten" (Blüher). Allerdings machen sich, entsprechend der Zersplitterung der Bewegung in den Wynekenschen Kreis und in einen Kreis um die Freischar, auch hier Abwandlungen und Unterschiede bemerkbar. Während der Wandervögel Und die ihm nahestehende Hälfte der Freideutschen den völkischen Zusammenschluß der Juden gefühlsmäßig aus Gründen der Reinigung und Reinhaltung de« Rassigen befürwortet und etwa das „Glück der Gemeinsamkeit" in der ungestörten^ reinsten Ausprägung des BluteB, in der ungehinderten^ beglückenden Entwicklung der Art und des Wesens sieht, gelangt nach der Anschauung der Wickersdorfer Richtung der einzelne Jude durch die Neugeburt seines Volkes 26