Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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hochhalten. Gewiß, auch dieser Teil der Jugend konnte sich der befruchtenden Einwirkung Wynekenscher Gedankengänge auf die Dauer nicht entziehen; und so ist es bezeichnend, daß in dem Flügblatt „Heil!", in welchem die Völkischen ihr Programm entwickeln, von den höchsten Menschheitsaufgaben, von der „Fortentwicklung der Kultur der Menschheit", ferner sogar von der Sozialisierung gewisser Betriebe gesprochen wird. Doch lehnen viele Freischärler, die Greifen, B. D. W.-er und wie sie alle heißen mögen, den Sozialismus ab, nicht nur, weil sie von vornherein auf jeden Versuch verzichten, an der Veredelung der verdorbenen und-verrotteten Umwelt mitzuarbeiten, sondern auch, weil der! Sozialismus in seiner letzten Eonsequenz die rassenmäßigen und völkischen Unterschiede verwischen müßte. So steht der wir kische Flügel der freideutschen Jugend dem radikalsozialistischen gegenüber. III Von der Bewegung der deutschen Jugend wurde hier ein so ausgeprägtes Bild entworfen, wie es im Rahmen einer Arbeit an dieser Stelle möglich ist. Und nur eine, für unsere Betrachtungen die wichtigste Frage bleibt noch offen: Wie stellt sich die ihrer Eigenart bewußte deutsche Jugend zu uns, den Juden? Und wie stellen wir, die ihrer Eigenart bewußte jüdische Jugend, uns zu den Freideutschen? Auch wenn wir von den tiefen und feinen völkischen Gegensätzen des Blutes, der Mentalität, die die einen unterstreichen und die anderen bestreiten, zunächst absehen und uns auf allgemein anzuerkennende, logische Deduktionen, auf Schlußfolgerungen aus der Geistesgeschichte Deutschlands beschränken, auch dann stellt gerade der junge Jude notwendig einen Fremdkörper im Gefüge deutscher Gemeinschaft dar. Was nämlich — so sahen wir — Eigentümlichkeit und Besonderheit der deutschen Jugend unserer Zeit ausmacht, was der Gründhebel ihrer Bewegung wurde, ist zuletzt die positive Einstellung zur Gemeinschaft, das soziale Empfinden, das die heranwachsende Generation von den Erwachsenen schied. Die Geistesentwicklung des deutschen Volkes in unserer Zeit führt vom Einzelmenschentüm, vom Individualismus, zum Gemeinschaftsmenschentum, zum Sozialismus. Anderen Entwicklungsgesetzen war der Jude des neunzehnten Jahrhunderts unterworfen. Während die politische Zerstückelung des deutschen Reiches im ausgehenden Mittelalter und im Begink der Neuzeit, während kulturelle Zersplitterung und wirtschaftlicher Niedergang hier die völkischen Bindungen der Gemeinschaft lockerte und die Bürger zwangsläufig in soziale twd geistige Atoniisierung hineiiadrängte, hatte sich das jüdische Volki in den Jahrhunderten seine» Exils, des Galuth, unter dem' zusammenpressenden Druck fortgesetzter Verfolgungen und Anu 23