Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Schon auf dem ersten Vertretertag der Freideutschen lugend in Marburg (1914) traten die Spaltungen und Gegensätze scharf heraus: man rückte in einem „Programm der Absichtslosigkeit", das die Kreise der Freischar aufstellten, deutlich und unverhüllt von Tendenz- und Erziehungsverbänden, das heißt: von Wyneken ab. Und während der Vortrupp und der „Bund deutscher Volkserziehung" ohne Einwände ausschieden, kam es zu peinlichen Auseinandersetzungen mitWyneken, der dieses Vorgehen für einen Verrat an der Sache der Jugend erklärte und erst am zweiten Tage der Konferenz in den Bruch willigte. Jetzt setzen die offenen Kämpfe in rücksichtslosester Schärfe ein. Während Wandervogel, Freischärler und andere Bünde dieser Richtung sich zum »Freideutschen Verband" endgültig zusammenschließen, stellen «ich die Berliner Sprechsäle auf die Seite Wynekens, der im Organ der „Freien Schulgemeinde" eine heftige und bisweilen allzu bissige Polemik gegen die Bestrebungen der Freideutschen um Ahlhorn führt, wie sie in ihrer Zeitschrift, der „Freideutschen Jugend", zum Ausdruck gelangen. Ja, die „ Intellektualisten" — wie die Freunde der Wickersdorfer Schulgemeinde abfällig genannt werden — planen sogar, den nächsten Vertretertag der Freideutschen, der für das Ende des Jahres 1914 nach Leipzig einberufen ist, zu sprengen. Da kam der Krieg, und die lebendig schäumende Flut des jungen Lebens schien erstarren und ve; sickern zu wollen. Langsam nur erholte sich die Jugend, die selbstvergessen an den Fronten kämpfte, von den betäubenden Geschehnissen und Ueberraschungen und sammelte sich zur Neugeburt, zur Fortentwicklung ihrer Gemeinschaft. Im Frühling des Jahres 1916 fand die zweite Vertretertagung der Freideutschen Jugend in Böttingen und ein Führertag in Jena statt, auf dem man versuchte, engere, freundschaftlichere Fühlung zur Jugend der Freien Schulgemeinde zu gewinnen. Deutlicher und deutlicher treten seit dieser Zeit die Bestrebungen des Ahlhornschen Kreises hervor, sich Wyneken und seinen Freunden anzunähern. Hierzu kommt, daß Wyneken auf dem Westdeutschen Jugendtag auf der Loreley im August 1917, über dessen Zustandekommen und Berechtigung viel hin und wider geschrieben wurde, die Scharen der Freideutschen durch die Macht und den Zauber seines persönlichen Auftretens durchaus auf seine Seite zog: das Programm sprach von einer Rückkehr zur Meißneridee. So, der Not gehorchend und nicht dem eigenen Triebe, bahnte man im Lager der Freischärler eine Verständigung mit dem mächtigen Gegner an; und schon auf der Führeraussprache auf dem Solling, die im Herbst 1917 unmittelbar nach.der' ersten freideutschen „Woche" stattfand, erschien Wyneken, ohne daß die Auseinandersetzungen zunächst allerdings von dauerndem Erfolg, von für beide Teile * befriedigenden Ergebnissen begleitet waren. Erst der Freik 21