Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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mit Geheeb, im Jahre 1906 die Wickersdorf er „Freie Schulgemeinde" gegründet; und hier, wo er seine Erziehungsprinzipien verwirklichen konnte, wuchs ihm eine treu ergebene Gefolgschaft heran. Wyneken. der in seinen Anschauungen abgeklärte, historisch geschulte Pädagoge, der die spontane Revolutionierung der Jugend durch den Wandervogel verständnisvoll verfolgt hatte, war dem psychologischen. Zwange nicht unterworfen, der, wie gezeigt wurde, die stürmenden und drängenden Vorkämpfer des jungen Geschlechtes naturgesetzlich zu einer Verschiebung des Causalzusammenhanges der Begriffe. Wesen und Geist, zu einer in ihrer Verallgemeinerung kritiklosen Verdammung alles und jedes Intellektualismus, zu einer in ihrer Passivität unschöpferischen Hingabe an Gefühle und Stimmungen führen mußte. Die Verneinung der bestehenden geistigen und wirtschaftlichen Ordnung der Dinge also, die jetzt nicht zwangsgemäß in eine verzichtende, mönchshaft und freimaurermäßig sich vor der Umwelt abgewendete Eigenbrötelei ausartet paart sich hier mit dem starken Willen, Volk und Staat, die Gesellschaft und die Bedingungen ihres Seins zu vergeistigen und zu versittlichen, die Zeit, die aus den Fugen ist, einzurenken. Die Erkenntnis bricht sich Bahn, daß der Gegensatz von Jung und Alt ein gradueller, kein essentieller ist, daß das, was die junge Generation von der alten trennt, keine unüberbrückbare Verschiedenheit des Menschseins, der gefühlsmäßigen Beziehungen zu Gott, Welt, Gemeinschaft, sondern ein entwicklungsmäßiger Unterschied der „geistigen" (in des Wortes umfassender Bedeutung) Einstellung ist. Man erkennt das Geistige als den Nährboden alles Seins, man sucht nach keinem in seinen wesentlichen Zügen von vornherein dogmatisch festgelegten Menschentyp, nach keiner idealen geistigen Gestaltung, nach keiner Projektion eigenen Wesens in die Welt der Erscheinungen. Denn „was .freideutsch' ist und sein wird, wissen wir noch nicht, es soll erst noch gefunden werden" (Wyneken). Es ist klar, daß die beiden Anschauungs- und Gemeinschaftskreise, die hier einander gegenüberstehen und ihre führenden Vertreter in Gustav Wyneken und etwa in Knud Ahlhorn fanden, der Jugend in Verbänden und Gruppen, die auf der gemeinsamen Basis der Freideutschen Jugend erfolgte, in ununterbrochener heftiger Spannung reiben und stoßen mußten. Die eine, sich um Wanderer oder um ehemalige Wanderer gruppierende Hälfte der Jugend wurde, wie Professor Messer mit Recht konstatiert, In ihrer Stellung zu den Dingen des Geistes, in ihrer Weltanschauung, vom Prinzip des S e i n s, die andere Hälfte, der Kreis der Freien Schulgemeinde, vom Prinzip des Werdens beherrscht. Für die einen war „Geist", für die anderen „Wesen" das Primäre. sich seit dem einer gewissen Kristallisation 20