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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 16

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 16 (sequence 20)
Language
German
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und sozialen Verantwortungsgefühls, im Strebertum, inr Karrieremachen findet. Als Spannung zweier Weltanschauungskreise, des bedingten und des unbedingten, entstand aus der Gegensätzlichkeit zweier sich reibenderWelten, der des Geldes und der derWerte, aus dieser Tatsache der Zerspaltung des geistigen Lebens der Nation in eine begrifflich bestimmte und in eine anschaulich orientierte Hälfte der Sozialismus eines Marx: als Kompromiß, als Versuch, den Geist auf Erden durch das Mittel einer mechanischen Entwickelung zu verwirklichen, die rationalistish durchtränkte, scheinbar unausrottbare Denkrichtung des Volkes mit allen ihren wirtschaftlichen und politischen Ausstrahlungen den Zielen der gemeinschaftsbewußten Führer, der sozialen oder sozialistischen Neugestaltung des Menschengeschlechtes dienstbar zu machen und zu unterwerfen. Marx, aus seiner Zeit heraus verstanden, mußte historischer Materialist sein; er konnte auf die Gestaltungen des Geistigen im Leben der Volksmasse, auf den „Zeitgeist" nicht verzichten, da er, sozialer Individualist, gefühlsmäßig ein Kind dieses selben Zeitgeistes war und nur verstandesmäßig ein Glied in der jungen Kette der schöpferischen, mehr oder minder nicht-individualistischen Geister bildete, und da er — last not least — Jude war und blieb. Doch davon später. In diesen Tagen der Revolution scheint die Masse des deutschen Volkes, im Laufe ihrer langsam nachhinkenden Entwickelung, einen gewissen und vorläufigen Ruhepunkt erreicht zu haben: der Gedanke überhaupt an eine Revolutionierung bestehender Verhältnisse scheint sich Raum gebrochen zu haben. Aber tausend Erfahrungen des Alltags zeigen, daß der Bürger, oh er seinem Individualismus nun ein schwarz-weißes oder ein rotes Mäntelchen umhängt, sich auf die berechtigte oder unberechtigte Kritik der sozialistischen Umgruppierungen und rein-wirtschaftlichen Neuordnungen beschränkt und vom Geiste des Sozialismus, das heißt letzten Endes: vom Geiste eines Kant und eines Fichte kaum einen Hauch verspürt. Nur ein Kreis, ein Teil des deutschen Volkes wurde in den letzten Jahrhunderten vom Strome des jungen Geistes, der aus Köpfen und Herzen führender Männer quoll, mächtig angepackt und umgestaltet: die junge Generation. Die Jugend, die wirtschaftlich und beruflich noch nicht eingegliederte und eingeengte Hälfte des Menschengeschlechtes, der also bei revolutionärer Neuorientierung des Inneren nicht die äußeren Hemmungen des Alters, der Erwachsenenschaft entgegentreten, „ist ihrem Wesen nach Trägerin des Prinzipes der Leiblichkeit, des Körpergefühls, und weil dies Gefühl gegenwärtig einen weltgeschichtlichen Durchbrach erlebt, so ist jetzt im besonderen auch die Zeit der Jugend, des Durchbruchs der Jugend, der Jugendbewegung" (Wyneken). 1*

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