Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Oer Jude in der deutschen Jugendbewegung „Jugendbewegung ist Selbstbefreiung der Jugend von einer ihrer Eigenart nicht gerechtwerdenden Kultur." F. Hähnel I Die letzte Zeit erst, unser Jahrhundert lehrte uns, daß der Begriff Geist sich nicht, wie man bislang anzunehmen gewohnt war, in verstandesmäßiger Erkenntnis erschöpfe, sondern daß das Geistige um zwei Pole schwinge: um den begrifflichen und um den anschaulich-intuitiven. Wahrend noch die Generationen der jüngsten Vergangenheit das Wesen des Geistes, weniger willkürlich, als den Gesetzen der Entwickelung folgend verengten und alles nicht systematisch Einzuordnende ihres Seins oder ihrer Bestrebungen in das uferlose Reich der Gefühle verwiesen, erweitern wir die Sphäre des Geistigen — und erkennen das Denken allgemein als Funktion, als methodische Gestaltung des geistigen Stoffes, indem wir die nationalistische Klärung als eine vielleicht nicht einmal höhere Form der Grundform gegenüberstellen, in der das drängende Element unmittelbar, ohne schematisierende Zwischenschaltung auf den ganzen Menschen wirkt. Auch „das Reich des Körpers ist ein geistiges Reich" (Wyneken). So erblicken wir im Geistigen recht eigentlich den Grundhebel alles Seins und aller Entwickelung. Jener tiefe Einschnitt in der Entwicklungsgeschichte deutschen Geistes etwa um die Wende des 18. Jahrhunderts, dessen Nachwirkungen und Ausstrahlungen sich bis in unsere Gegenwart hinein bemerkbar machen, wurde von der Philosophie eines Kant, später von Fichte, daneben von den Romantikern, auf der anderen Seite vor^den Utopisten und den ersten sozialistischen Theoretikern,Proudhon,Marx,Lasalle, angebahnt und vorbereitet. Die Systeme der Scholastiker, der Humanisten und der Nachhumanisten, die Gedankenwelten der führenden Geister dieser Epochen waren gleichsam von einem Geiste bestimmt und durchtränkt, der rationalistisch zugespitzt, dessen begrifflicher Pol hypertrophiert war. Zwangsmäßig, unter dem Druck irgendwelcher Ürsachen, hatte sich der Gelehrte des Mittelalters in seine Studierstube, in das Reich seines Intellekts hmeingesponnen; und unter der Devise: Cogito, ergo sum entwickelte sich eine 14