Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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anderes, als daß wir das deutsche Persönlichkeitsideal unverändert übernahmen. Wir hatten Freude an der selbstbewußten, kraftvollen Persönlichkeit und wollten diesen deutschen Inhalt in jüdische Form gießen. Auch die jüdische Turnbewegung war ein Ausfluß dieses Strebens. Das war auch der Grund ihrer gehemmten Entwicklung, daß unser jüdisches Zusammengehörigkeitsgefühl das Einzige war, was uns von den deutschen Vereinen schied, daß kein eigenes, neues Persönlichkeitsideal vorhanden war, das die Besten an uns schließen und sie mit neuem Geiste erfüllen konnte. Eine politische Bewegung ohne Persönlichkeitsideal ist inhaltslos. Ein politisches Streben Mi; entlehntem'Persönlichkeitsideal ist/gleichgültig. Zu lange war dem Juden Persönlichkeit alles und Politik nichts, als daß heute der Aufbau einer'jüdischen Nation ohnft einen neuen Kulturinhalt, der Aufbau einer neuen jüdischen Gemeinschaft ohne einen Neubau der jüdischen Persönlichkeit uns lebenbestimmend erfüllen könnte. Das Persönlichkeitsideal zu schaffen,»ist die geistige Aufgabe der jüdischen Jugendbewegung. Die jüdische' Jugend aller Länder ringt im Wettbewerb danach, dies. Ideal immer besser und jüdischer aufzubauen, so daß immer mehr die Jüdischsteh iin^ .Besten sich zu uns hingezogen fühlen. . Es laßt sich heute noch nicht sagen, wie das jüdische PersÖHlichketfsideai geartet sein wird. Wir leben noch alle zu sehr in durch Schule und Alltag anerzogener Denkart, als daß nicht tjps von anderen Völkern übernommene Vorstellungen uns über Gebühr beherrschen sollten. Je reiner sich jüdisches Wesen im Einzelnen wie in der Gemeinschaft herauskristallisiert, um so klarer wird das Bild eines jüdischen Typus entstehen. Daher sehnen wir uns auch nach jüdischer Geselligkeit, jüdischer Gesellschaft, jüdischen Lebensformen, nach einem jüdischen Lande; und so wird in diesem Wettstreben nach unserem ideal die Jugend des entstehenden Palästina, in dem alle Formen und alles Leben rein jüdisch sein sollen, einen weiten Vorsprung vor aller jüdischen Jugend des Galuth haben, aber auch das Galuth darf sich dies Streben nicht nehmen lassendes soll seinen Teil zu dieser Arbeit unseres nationalen Geistes beitragen; nur so wird sie würdig sein,, das erstehende Idealbild rein in 'sich aufzunehmen. In einer Gemeinschalt bleibt kein Gedanke einsam, kein Wille erfolglos, unbemerkt wandern sie von einem zum andern, von Generation zu Generation; im Geistesleben des Volkes finden alle diese Gedanken und Willensäußerungen ihren Ausdruck'; im Heldentyp des Volkes vereinigen sich diese. Regungen der einzelnen. •' ' . fMeser Gedanke hat,etwas ungemein Tröstliches. VjTjj^dex Volksverkriüpfuhg finden wir die Resonanz für jede aufrichtige 10