Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Turnen und Sport als Volksbewegung Jede Volksbewegung strebt nach zwei Richtungen. Die eine erfaßt das Volksganze, die andere den Einzelnen. Die eine ist politisch, die andere auf die Persönlichkeit eingestellt. Wie Volksganzes und Einzelner einander bedingen, so sind auch politisches Streben und Persönlichkeitsgestaltung miteinander verknüpft. Nur die stärkere Betonung eines dieser beiden Ziele gibt einer Volksbewegung den Charakter als politisches oder kulturelles Streben. Im ganzen Galuth trat die Politik hinter das Persönlichkeitsbestreben zurück; man wollte tiefste Versittlichung des Juden, sah aber dem Schicksal der Judenheit tatenlos zu. Die Juden des Galuth hatten ein fest umrissenes Persönlichkeitsideal; das politische Ideal wurde durch die messianische Idee umkleidet und jedem tätigen Streben entrückt. Doch gab das Leben hinter den Ghetto-Mauern den Juden eigen-nationales Gefüge. Die Emanzipation brach die Form. Im Gleichberechtigungskampf erhielt das politische Streben ein festes Ziel und suchte sich dem des Wohnlandes anzugleichen. Die ganze Kraft des Volkes ging mehr und mehr in die Politik über. Das Persönlichkeitsstreben erstarrte und wandelte sich mehr und mehr, bis auch schließlich das Persönlichkeitsideal, dem politischen nachfolgend, «in fremdes wurde; Der deutsche Jude erstrebte Gleichberechtigung und suchte an deutscher Kultur seine Persönlichkeit heranzubilden. Die deutsche Judenheit ersehnte, von deutschem Geist geblendet, deutsche Form und deutschen Inhalt. Das Erwachen des jüdischen Völksbewußtseins gab uns im jüdischen Nationalismus wohl ein neues Streben nach jüdischer Form, aber ein eignes Persönlichkeitsideal aufzustellen, gelang uns nicht. Wohl sprachen wir von jüdischer Erziehung und jüdischen Vorbildern. Wohl begeisterten wir uns für jüdische Heldengeschichten und für die Schomrim, taten aber eigentlich nichts