Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- II (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Krieg und der sozialistischen Ideale zuhi Erfolg der Lbhnkampfrevolutiön geben jedenfalls zu denken. Sicherlich glühte* ftt allen jüdischen Führern des Sozialismus der edle Funke universalen Geistes, aber in reiner Flamme kann er nicht aufleuchten, solange die Biskrepanz innerster Anlage ünd im tiefsten Ürtinde fremdartiger Umgebung nicht einer homogenen Kultuigemeinschaft gewichen ist. . Ein Problem wird hier akut, mit dem jeder junge Jude in Deutschland zu kämpfen hat — am heftigsten der produktive, dem alle Unterschiede zwischen dem Ich und der Umgebung, zwischen der jüdischen Anlage und den deutschen Kulturinhalten, zwischen dem eigenen, blutsmäßig bedingten, körperlich und geistigen Charakter und dem fremdrassigen und eindeutigeren Wesen des ändern am fühlbarsten ins Bewußtsein treten. Ehrwürdige Jahrtausende der. jüdischen Geschichte haben sich in den Instinkten vererbt, und hundert Jahre bewußter Anpassung an das Deutschtum wagen.es, alleiniges Daseinsrecht zu beanspruchen! Die abgründigen Tiefen unseres Wesens, werden überdeckt mit fiebrig aufgegriffenen Produkten deutscher Kultur und schimmern dennoch hindurch; so verfälschen sie beide wechselseitig ihr reines Bild. Versagt bleiben uns auf diese Weise die ganz Großen, die Meister der Kunst, die, schöpfend aus verborgenen Quellen des Volkes, ihm ein Denkmal in ihrem Lebenswerk setzen. Ein Beispiel ist uns Heine, dem zum Genie der unbefangene Mut des Instinktes fehlte, der so manche Offenbarung seiner Seele in eine kunstvoll pointierte zynische Schlußwendung einwickelte, um zu erweisen, daß er über der Sache und über sich selbst stehe, und damit doch nur unfreiwillig den Mangel an Insichselbstruheii dokumentiert. Wer solche Zweiheit in seinem Ich empfunden hat, der gewinnt eines. Tages voll Ehrfurcht das Erlebnis seines Judeseins. Er verknüpft sich mit der Kette seiner Ahnen und fühlt sich als Erneuerer seines Geschlechts, er ahnt die Bedingungen, aus denen er kommt, und träumt die Möglichkeiten, zu denen er gelangen kann. Ihn packt das Wissen um die Einheit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und schenkt ihm das Glück persönlicher Freiheit .'«'.'•.' ' So findet er seinen Zusammenhang wieder mit dem jüdischen Volk und lernt erkennen, daß es für den ganzen Komplex der 'geistigen, kulturellen und sozialen Probleme der Juden nur eine Lösung gibt: der jüdischen Nation wieder normale Lebensbedingungen zu erkämpfen, sie aus der Zerstreutheit zu erlösen ünd in ihrer Heimat Palästina zu sammeln, sie dort auf ihrem Boden zu verwurzeln uiid wieder aufleben und aufatmen zu lassen in der Natur ihres Landes. Da diese jüdischen Renaissancegedänkön in der geschichtlichen Tendenz unserer Epoche liegen, ist die Erfüllung ihrer politischen Förderungen durch d#T Abschluß des Weltkrieges in greifbar« Nähe gerückt wördüti! vDie 6