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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 5 (sequence 9)
Language
German
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5hr höchstes Glück nur in der Volkspersönlichkeit finden, und ihr universales Verantwortungsgefühl für den Fortschritt der Gesamtheit kann sich nur dann zu Kulturtaten verdichten, wenn .jedes seine persönlichste Leistung, bestimmt durch Anlage und historische Entwicklung, in den Dienst des höheren Menschentums stellt. Das Bild von derWeltkultur wird ein farbenprächtiges und doch zusammenstimmendes Mosaik sein, in dem sich al|e Ausstrahlungen des gesamten geistig zu verarbeitenden Stoffes, gebrochen durch die Prismen nationalen Empfindens, vereinigen. Nur ihren Beitrag kann die einzelne Nation zu diesem Kunstwerk geben und dafür sorgen, daß die Farben rein und echt sind. Die höchsten geistigen Leistungen werden Gemeingut aller Menschen werden, und Etappe für Etappe hilft so jede Nation daran, die gesamte Menschheit vorwärts zu bringen. Doch ergibt dies Gemeinschaftsleben keine Ausgleichung, keine geistige Uniformierung, sondern fortschreitende Differenzierung unter den Nationen: je mehr Kulturgüter in das Eigentum aller übergegangen sind, um so freier und intensiver beginnt das eigene Volk das ihm Wesentliche, nur ihm Mögliche zu schaffen. So nur vermag man sich eine Vorstellung vom Charakter der Weltkultur zu machen: ständige Bereicherung und stetige Vertiefung aus dem Schatze der immer weiter differenzierten nationalen Volkspersönlichkeiten. Klar wird es jetzt, daß Nationalismus und Universalismus keine sich ausschließenden Weltanschauungen sind. Wahrer Nationalismus begreift alles Streben zu letzten menschlichen Zielen in seinen Kulturwillen ein und nur der Nationalismus hat alles Hecht auf seiner Seite, der nicht zum begrenzt egoistischen Chauvinismus wird, vielmehr dieses Recht aus der frei übernommenen Pflicht herleitet, seinen Dienst in der Menschheit zu verrichten. Nie wird der Weg uns aufwärts weisen, wenn wir als eine wesenlose Masse von „freien Weltbürgern" die Erde bevölkern. Es. spricht ein durchaus gesunder Instinkt und elementarer Daseinswillen aus der Auffassung, die alle Kulturvölker von ihrer Mission haben. „An deutschem Wesen wird die Welt genesen", „Von Zion wird einst wieder die Lehre ausgehen", usw. — nur muß s|e richtig verstanden werden als der unbändige Trieb zum Leben und zum Schaffen, als das Verantwortungsgefühl für die Höherentwicklung des Menschentums, als die Einheit von Nationalismus und Universalismus. II An den größten, weltumspannendsten Ideen waren Juden beteiligt. Jesus und Marx haben Bewegungen geschaffen, die aal lange Zeit hinaus richtunggebend für das Leben 'der Menschheit gewesen sind und sein werden. Es wäre die Aufgabe einer historisch-psychologischen Untersuchung, klarzustellen, wie weit dien Bewegungen durch die Verdrängung nationaler Gedanken unfruchtbar werden mußten: das Verhältnis der christlichen Kirche

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