Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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In den letzten Jahren ist es der Welt immer klarer geworden, daß die- Juden mit ihrer Gesamtzahl von gegenwärtig mehr als 15 Millionen, mit ihrem großen Anteil am Unternehmertum im allgemeinen, an Handel, Industrie und Verkehrswesen sowie mit ihrem Vorwiegen an den wichtigsten Punkten dos Weltverkehrs und Welthandels einen wirtschaftlichen Faktor ersten Ranges darstellen. Neben dem, was die Juden bisher schon im Handel und Wandel geleistet haben, interessieren uns besonders auch die neuen Berufe, denen die Juden sich aller Wahrscheinlichkeit nach zuwenden werden. Die erhöhte Bedeutung der Landwirtschaft wird bereits von weiten Schichten der Juaenheit gewürdigt. Die Notwendigkeit verstärkter Produktion auf allen Gebieten wird diejenigen Berufe beeinträchtigen, die ein reines Mittlertum darstellen. Hieraus dürften sieh gerade für die Juden bedeutende Umschichtungen für die nächste Zukunft ergeben. Einen weiten Raum nehmen die sozialen Fragen und Aufgaben der Judenheit in unserer Zeitschrift ein. Der Zusammenbruch vieler Millionen von Existenzen bedingt durchgreifende Maßnahmen und Hilfsaktionen. Es gilt einen Wiederaufbau zahlloser Existenzen, der sich keineswegs immer in den alten Formen und in den bisherigen Wohnländern der Betroffenen vollziehen lassen wird. In Palästina — jetzt dem offiziellen Judenland — steht eine Massenoinwanderung bevor, die politische, wirtschaftliche, organisatorische und soziale Maßnahmen erforderl, von deren zweckentsprechender Planung und Durchführung es abhängen wird, ob die weltgeschichtliche Chance, die der große Krieg den Juden gebracht hat, zu einem wundervollen Aufbau oder zu neuen Katastrophen führen wird. In ganz kurzer Zeit v«'ii'd dieses Gebiet eine weitgehende Europäisierung erfahren. Schon während des letzten Menschenalters hat die neue jüdische Kolonisation in Palästina die Verhältnisse dieseR Landes wesentlich beeinflußt. Vor dem Kriege zeigte Palästina bereits mehr als das Dreifache an Außenhandel gegenüber dem Durchschnitt des Türkischen Reiches, und gegenwärtig stehen wir vor einer starken Beschleunigung dieser Entwicklung. Jetzt ist die Zeit des Handelns! Die ganze Welt ist in einer gewaltigen Umformung begriffen. Zahlreiche Völker machen ihre Ansprüche geltend und sind im Begriffe, den unnatürlichen Bedingungen, unter denen sie bisher lebten, ein Ende zu machen. Gelingt es. aus den Trümmern der von dem Krieg verheerten Hauptwohngebiete der Juden ein jüdisches Paliistina aufzubauen und hier diejenigen sozialen und wirtschaftlichen Zustände zu schaffen, die man der besonderen Begabung der Juden zutrauen darf, so wird damit auch die Stellung der gesamten Judenheit, die zu ihrem weitaus größten Teile weiter in den Ländern des europäischen Külturkreises bleiben wird, eine gewaltige Stärkung erfahren. Das Verständnis für alle diese Dinge will unsere neue Zeitschrift unter Juden und Nichtjuden verbreiten helfen. D. T. Die Arbelt. Organ der zionistischen volkssozialistischen Partei Hapoel-Hazair. Welt-Verlag, Berlin. Preis 4,— M. vierteljährlich. „Die Arbeit" ist das Organ der zionistischen volkssozialistischen Partei Hapoel Hazair. Sie dient also vor allem der Aeußerung und Förderung des geistigen und organisatorischen Lebens innerhalb der Partei, dann aber auch der Propaganda ihrer Grundsätze und der Vertretung ihrer Forderungen in der jüdischen Oeffentlichkeit und iher Anwendung auf aktuelle Vorgänge. Hapoel Hazair (Der junge Arbeiter) ontstand in Palästina aus Gemeinschaften der Pioniere zionistischer Arbeit. Deshalb mußte er nicht nach einer künstlichen Verquickung von Sozialismus und Zionismus suchen, denn in seinem Leben waren beide eins. Der äußere Sozialismus, die gemeinsame- Wirtschaft, ist nur denkbar auf Grund einer engen menschlichen Gemeinschaft, wie sie nur innerhalb der Nation existiert. Der Zionismus, der Aufbau neuer 54