Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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•nationaler Kultur, ist nur denkbar auf Grund einer Solidarität aller Glieder der Nation, wie sie nur die sozialistische Wirtschaft ermöglicht. So sind Ideen, nicht Klasseninteressen, Ideen der Gerechtigkeit und der Gemeinschaft, Mittelpunkt des Hapoel Hazair; er fühlt sich nicht als Vertreter des Proletariats, sondern als Vertreter des Prinzips solidarischer, produktiver Arbeit für das gesamte Volk. Aus diesem kernhaften Willen, eine wahrhafte Gemeinschaft (und das kann für Juden hur eine jüdische sein) zu schaffen, kommen die besonderen Charakteristika und Forderungen der Partei, die auch in der „Arbeit" ihren Ausdruck finden. Vor allem der Arbeitsgedanke, der eine doppelte Bedeutung hat, einmal die, daß das Volk aus seiner Konzentration in Vermittlerberufen zur eigentlich produktiven Arbeit zurückgeführt werden muß; darüber hinaus die, daß diese Arbeit nicht nur äußerlich produktiv sein soll, sondern den produktiven Trieben des Menschen Ausdruck gibt und ihn mit der Kultur' (Boden) und der Gesellschaft verbindet. Arbeit soll aufhören, nur Mittel zum Erwerb zu sein, und wieder die Lebensform des produktiven Menschen, wieder freudig und beseelt werden. Auf der Grundlage dieser Arbeit soll in Palästina eine Kultur erstehen, die Zentrum aller jüdischen Kultursphären werden kann. Dazu muß sie an die große alte Kultur anschließen und das von ihr dem ganzen, wohin auch immer verstreuten Volk überkommene Gut lebendig machen und lebendig bewahren: sie muß hebräisch sein. De.r Sammlung aller Elemente zu dienen, die sich auf dieses neue Leben in Palästina vorbereiten, ist eine besondere Aufgabe des „Hapoel Hazair", „Hechaluz" ihm besonders teuer und wichtig. Die Eingliederung der zionistischen Jugend ins Volksganze vorzubereiten, versucht der Hapoel Hazair schon, in dem er die — meist ostjüdische — Arbeiterschaft und die westliche Jugend in eine Bewegung zusammenzufassen strebt; die „Arbeit" unterstützt diese Einheitsbestrebung, indem sie die deutsche Hapoel Hazairbostrebung mit der palästinensischen und der jungzionistischen Bewegung des Ostens (Zeire Zion) in ständigem Kontakt hält und Artikel aus den Kreisen dieser Bewegung bringt. Der Gedanke der nationalen Einheit, der den Hapoel Hazair innerhalb der zionistischen Bewegung und Organisation hält und seinen Sozialismus zum Volkssozialismus (im Gegensatz zum Klassensozialimus) macht, bedeutet nicht «inen Mangel an Radikalismus. Im Gegenteil kann ein Sozialismus, der nicht wie der marxistische sich von der wirtschaftlichen Entwicklung allein abhängig glaubt, der nicht wie jener das Hervorwachsen der sozialistischen Ordnung aus der kapitalistischen als Naturnotwendigkeit erwartet, wie der historische Materialismus, besonders radikal und intensiv sozialistisch, ' wirken. Er kann verlangen, daß Palästina die kapitalistische Entwicklung mit ihren Klassenkämpfen erspart bleibe, daß aus der Idee der jüdischen Gemeinschaft, als freies Werk von dieser Idee beseelter Menschen, die sosialistische jüdische Gesellschaft in Palästina gegründet werde. 'S—1. RedaMlon: Arthur Stein und Ernst Simon, Berlin W. 35. Buchdruckerei Wilhelma R. Salin? & Co., Berlin SW.68, Hollmannstr. tO.