Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der Ostfront Wir K. J. V.-er hatten im Frieden gar oft in unseren Verbindungen vom Ostjudentum und seinen wurzelstarken, lebendigen Kräften gehört. Aber niemals hatten wir Gelegenheit, dieses Judentum an seinen Quellen zu erkennen und zu erleben. Wohl waren hier und da in unseren Korporationen einige wenige Bundcsbrüder aus.Rußland oder Galizien oder Rumänien; jedoch zu einem innigen, dauernden Konnex kam es zwischen ihnen und uns nicht, sei es nun, daß wir diese ostjüdischen Bundesbrüder nicht richtig bei uns behandelten, oder daß die, die zu uns kamen, in vielen Fällen nicht die geeigneten Vertreter waren. Daher empfanden wir es als großes Glück, als der Krieg uns die günstige Gelegenheit brachte, in Polen, Kurland, Litauen, Weißrußland, wo wir eben gerade waren, unsere Brüder kennen zu lernen und schließlich mit ihnen zusammen zu leben. Wenn ich nun über meine Erlebnisse bei den Ostjuden schreibe, so bin ich mir klar, daß ich nichts neues sagen werde; ebenso klar bin ich mir aber auch, daß ich nicht in den sonst von westlicher Seite so beliebten lehrhaften und überlegenen Ton den Ostjuden gegenüber verfalle. Ich will versuchen, die Begebenheiten und die Gestalten, wie sie mir im Osten begegnet sind, »icht nur als totes Material referierend zusammenzustellen, sondern das Leben der Ostjuden, so wie ich es beobachtet und wie ich es mit ihnen gemeinsam gelebt habe, aus meinen Eindrücken und Erinnerungen zu schildern. Bevor ich von meinen eigentlichen Erlebnissen spreche, möchte ich noch kurz darlegen, worauf nach meinen Wahrnehmungen die Kraft und die Stütze des Ostjudentums beruhen. Zunächst auf ihrer zahlenmäßigen Masse und ihrem kompakten Zusammen wohnen; Zahlen und Belege kann ich mir ersparen. Alsdann auf ihrer scharf gezeichneten Eigenart. Wir behaupten auch von uns hier im Westen und fühlen es zum Teil, iai wir eine Besonderheit gegenüber unserer Umgebung darstellen. Im Osten ist diese Unterscheidung nicht mehr zu diskutieren, sie äst offensichtlich. Als kleines, aber treffendes Beispiel möchte ich die sogenannten (von uns so benannten) „Panje- Juden" anführen: jüdische Pächter oder Müller, die, abgesondert vom jüdischen Leben, unter den Landbewohnern schon seit vielen 46