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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · I (1919) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
I (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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Die Juden im deutseben Wassersport In England, dem Lande klassischen Sports, erreichte, durch ■die natürlichen Verhältnisse des Landes begünstigt, neben dem Segeln frühzeitig auch das Rudern eine hohe Stufe. Die besten Mannschaften der Welt treffen sich zur Regatta in Henley und die vornehmsten Gesellschaftskreise Englands, insbesondere aber die akademische Jugend (Oxford-Cambridge), findet man in den akademischen Ruderklubs. Von den britischen Inseln kam der Rudersport in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts über Hamburg nach Deutschland. Die Vornehmheit der englischen Sportauffassung wurde in Deutschland nach den vor dem Kriege hier üblichen Methoden durch den Geist des deutschen Verbindungsstudenten und des Reserve-Offiziers ersetzt. Der auf diese Weise vaterländisch abgestempelte Sport fand natürlich auch die liebevolle Huld der Behörden und die Unterstützung zahlreicher Gönner, mit deren Hilfe der immerhin imposante Bau des „Deutschen Ruder-Verbandes" aufgeführt wurde. Der Judenhaß wurde hier bewußt in Reinkultur gezüchtet, obwohl so mancher deutsche Ruderverein unter tätiger Anteilnahme von Juden gegründet, bisweilen sogar ausschließlich durch Stiftungen von Juden finanziert war. Unter dem Vorwande des „Amateur-Paragraphen" und geeigneter Anwendung einer Bedürfnisklausel verstand man es, alle Elemente, welche in den beschriebenen Rahmen nicht paßten, fernzuhalten. In Nord-Deutschland und vielen Vereinen Süd-Deutschlands waren die zum deutschen Ruder-Verband gehörenden Vereine absolut judenrein. Das Bemühen solcher Vereine, in denen sich Juden befanden, um Aufnahme in den deutschen Ruder-Verband war so. gut wie aussichtlos. Als Reaktion hiergegen bildeten sich Vereine, die Juden aufnahmen und demzufolge — genau nach dem akademischen Muster der paritätischen Verbindungen einschließlich der „Renommier- Gojim" — fast nur aus Juden bestehen. Im wesentlichen verfolgten diese Vereine Vergnügungszwecke; sportliche Interessen waren nur vereinzelt vorhanden. Ruderleistungen des einen oder anderen Vereins vermochten — aus den angeführten Gründen — nicht zu der heißersehnten Anerkennung leitens der deutschen Rudererschaft zu führen. 36

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