Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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So war die Lage, als die jüdischen Rudervereine — in Berlin* Ruder-V. J. St. und J. R. C. Jvria sowie die Ruder-Abteilung des Jüdischen Rudervereins Bar Kochba in Hamburg — auf dem Plan erschienen. Sie entstammen der jüdischen Turn- und Sport- Bewegung. Entsprechend der gegenwärtig in allen Kulturnationen — Amerika, England, Schweden, Finnland, usw. — mächtigen sportlichen Bewegung halten wir jüdischen Turner und Ruderer — abgesehen von dem nationalhygienischen Gesichtspunkte — die körperliche Tüchtigkeit für ein notwendiges Erfordernis vollen Menschentums. Diesem allgemein menschlichen Bedürfnisse suchen wir in der jüdischen Form, in unserer jüdischen Gemeinschaft Genüge zu leisten. Unsere Jugend empfindet, daß der jüdische Körper dazu bestimmt ist, in der Kette der Geschlechter der Träger des jüdischen Geistes und der jüdischen Seele zu sein und den ewigen Bestand unserer Rasse in einer schönen und edlen Form zu gewährleisten. Diese vielleicht äußerlich scheinende Betonung der Körperlichkeit wird zum nationalen Inhalt. Die körperliche Gesundheit gibt die Grundlage für den gesunden Geist, die körperliche Frische hält auch den Geist frisch. Das neue jüdische Geschlecht muß die Harmonie von Geist und Körper schaffen und den einseitigen Intellektualismus des Ghettos und der Assimilation beseitigen. Charakter und Willen müssen gestärkt werden, eine neue Sozialethik, eine neue Hygiene muß die Reinheit des Geschlechts erhalten. So suchen wir uns zu Menschen zu erziehen, die an der Zukunft unseres Volkes tatkräftig mitarbeiten können. Unser Rudersport ist wie geschaffen für diese Zwecke. Im Training, in der Regatta, bei der so oft sich bietenden Gelegenheit zum sportlichen Wettkampf heißt es das Aeu Berste hergeben an Kraft des Körpers und Energie des Willens. Unsere Jugend wird in staubfreier Luft allseitig ausgebildet, auch beim Turnen und Schwimmen. Auf der Wanderfahrt in ungebundener Heiterkeit erschließt sich uns die Natur, mit der wir uns innig verbunden fühlen, finden sich in der Stimmung und im freundschaftlichen Verkehr die Herzen, entsteht jenes Zusammengehörigkeitsgefühl, das eben nur in der Gemeinschaft gleichfühlender, gleichstrebender, gleichschaffender Juden möglich ist. Der reizvolle Wechsel unserer Betätigung stärkt die körperlichen wie die geistigen und seelischen Kräfte. Bald wird auf unseren Fahrten auch die hebräische Sprache erklingen und von den Nachstrebenden „spielend" erlernt werden, und unsere Bootshäuser werden überall Mittelpunkte jüdischen Lebens werden. Der deutsche Ruderverein, auch wenn er nicht antisemitisch wäre, könnte uns alles, dies nie geben, auch der paritätische nicht und wenn er noch so ausschließlich aus Juden bestände. Auch im. Rudersport läuft in neuerer Zeit eine erhebliche Anzahl von Rudervereinen gegen die reaktionären Anschauungen 3 31