Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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liehen Qualitäten des Zöglings, durch Stählung der Muskulatur seines Gehirns zu fördern. Um den Juden jüdischer zu machen, genügt es nicht, ihn mit jüdischer Geistigkeit zu erfüllen, wir lassen ihn vielmehr in unserem von jüdischer Stimmung erfülltem Milieu leben, ihn turnen, wandern, fechten, singen, unbefangen fröhlich sein, um ihn so zur starken urwüchsigen Persönlichkeit zu entwickeln. Die Mensur schien zu Mut und männlicher Festigkeit zu erziehen, war uns so als Mittel zum Zweck willkommen. Nun ist aber das Leben eine untrennbare Einheit von Strömung und Stauung, von Weitereilen und Verharren, von Entwickelung und Formung. Die aus der kontinuierlichen Lebensbewegung sich heraushebenden Formen sind selbst Leben und bleiben mit der Totalität des Lebens unlöslich verknüpft, sie lassen sich nicht von der Idee abstrahieren, die sie geboren hat, sondern tragen sie in sich, sie beeinflussen rückwirkenddasLeben, indem sie die Entwickelung seiner Träger bestimmen und auf ihren Geist gestaltend einwirken. Der preußische Drill ist nicht nur Erziehung zur Tapferkeit, nicht nur Mittel zum Zweck, in ihm lebt auch der Gedanke von der völligen Ausschaltbarkeit menschlichen Gefühls und Verstandes durch Erziehung und Zwang, von durch Geburt gegebener Herren- und Knechtesbestimmung, der dem Wesen Derer immanent war, die das System erdachten. So konnten auch wir die Formen des deutschen Korporationslebens nicht übernehmen, ohne etwas von ihrem Geist bei uns einzubürgern, freilich stark abgeschwächt und vielfach aufgewogen durch unsere Idee, aber doch immerhin merkbar. Zwar gelang es unseren Besten, in der Stärke ihres zionistischen Empfindens die fremden Formen tatsächlich mit unserem Geiste zu füllen und sie sich anzueignen; der Geist der Gesamtheit aber wurde durch sie beeinflußt, die Diskrepanz zwischen Inhalt und Form konnte uns nicht beständig vor Augen stehen, man begann, dieübernommenen Formen als etwas natürlich Ueber kommen es selbstverständlich zu leben. Akademisches Standesbewußtsein und unsozialer Klassenstolz machten sich geltend, die Satisfaction drohte; mehr zu werden als Mittel zum Zweck, als bloße Möglichkeit, auf antisemitische Beleidigungen in der Sprache des Beleidigers zu reagieren, es stellte sich, wenn auch nicht klar ausgesprochen, so doch im Unterbewußtsein lebendig, der Glaube an die Besonderheit der akademischen StanJesehre ein, man unterschied satisfactions- und nichtsatisfactionsfähige Menschen und wertete nach diesem uns wesensfremden Prinzip. Das wahre innere Ehrgefühl wurde durch diese Art des angelernten und automatischen Reagierens nicht gestärkt und verfeinert, es begann vielmehr, sich zu schematisieren und zu verflachen, indem man, um das Gelernte praktisch zu verwenden, Gelegenheit zu Mensuren suchte, und 23