Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Bürgen für die Ehre seiner engeren und weiteren Gemeinschaft machte. Die seelische Unsicherheit des eben erst assimilierten Juden, der mit verträumten und lebensfremden Augen aus der sicheren Behütung des Ghetto in eine Welt fremder Begriffe und Anschauungen eintrat, hatten eine unkritische Ueberschätzung der Vorzüge anderer und eine unberechtigte Furcht vor der eigenen Schwäche zur Folge. So wurde das Satisfactionsprinzip für viele ein psychologisches Problem, es entschied den Zweifel an dem persönlichen Mut des Einzelnen, nicht nur der Außenwelt, sondern auch ihm selbst gegenüber; seine Stellungnahme dazu wurde mitbestimmt von dem Verdacht, man könnte den fremd anmutenden Begriff nicht nur wegen seiner Fremdheit, sondern auch aus persönlicher Furcht und Aengstlichkeit ablehnen. Der Mangel einer starken, nationaljüdischen Gesellschaft, die durch Ausbildung eigener Ehrbegriffe dem Einzelnen einen Rückhalt hätte geben können, brachte es mit sich, daß Bekämpfung antisemitischer Angriffe und Befriedigung des gekränkten Ehrgefühls nur nach Ar,t und Gewohnheit der Umgebung möglich schienen. So kam es, daß zuerst einzelne nationaljüdische Studenten auf Mensur standen, daß dann ohne jede Einwirkung der Korporation, die dem Einzelnen die Stellung zur Satisfaction freistellte, die Zahl der Mensuren immer mehr stieg, bis tatsächlich die Gesamtheit mit ganz geringen Ausnahmen sich zur unbedingten Satisfaction bekannte. Die Erkenntnis der starken moralischen Werte, die in der gemeinsamen Entscheidung einer solchen Frage liegen, und weiterhin die Erleichterung des Mensurbetriebes und die Möglichkeit größeren Schutzes für den fechtenden Bundesbruder, die von einer prinzipiellen Stellungnahme abhängen, führten im B. J. C. zur Einführung der unbedingten Satisfaction im Jahre 1913. (Das jüngere K. Z.V. bekannte sich von Anfang an zur unbedingten Satisfaction.) Das indessen erstarkte Kartell konnte diesen Schritt um so leichter wagen, da man immer wachsende Klarheit über den Wert unserer Erziehungsmittel gewonnen hatte. Karl Ludwig Schleich spricht in einem Kapitel seines Buches „Vom Schaltwerk der Gedanken" über den preußischen Drill und die Erziehung zur Tapferkeit, die durch ihn gewährleistet wird, und sagt: „Es werden garnicht Tapferkeitsübungen in der Kaserne vorgenommen, es wird nicht einstudiert, wie man sich nicht fürchten soll und wie man die eventuelle Todesangst überwindet. Darüber fällt kaum «in Wort in den Kasernenhofen, sondern es wird Haltung geübt, Parademarsch, Richten, Schwenken ... genug, alles getan, was eben den Begriff des Drillens ausmacht." So können unsere Erziehungsmittel in der Ausbildung gewisser „gehirnmechanischer Funktionen", in einer Art „militärischen Uebung des Geistes" bestehen, sie brauchen nicht dem Erziehungssiel direkt entlehnt «i werden, sondern es nur mittelbar durch Stärkung der mensch«