Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · I (1919) · p. Seite 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
I (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965385-5965402--383-4922879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tionalen Zukunftsarbeit stellt, bereit, wo es nottut, die eigenen Interessen denen der Gesamtheit unterzuordnen. Das Bekenntnis zum Zionismus als zu einem politischen Parteiprogramm ist nur ein Meilenstein auf diesem Wege, das Endziel ist die Erschaffung eines neuen jüdischen Menschen mit natürlicher Frische des Geistes und freiem Anstand des Auftretens, die Erneuerung und Revolutionierung unserer Jugend. An der Lösung dieser Aufgabe arbeiten die jüdischen Jugendgemeinschaften durch die 0 r - ganisation engsten Gemeinschaftslebens, das besser als jede theoretische Fundierung ein starkes Nationalgefühl zu erzeugen und die sittlichen Qualitäten des Einzelnen zu steigern vermag. Die Korporationen des K.J. V. sind die Erziehungs - und Lebensgemeinschaften der national-jüdischen Studenten. Nun ist keine Gemeinsamkeit von Menschen und kein Leben überhaupt denkbar ohne gewisse Formen, durch die das kontinuierlich dahinfließende Leben sich individualisiert, durch die es greifbare Gestaltung und Färbung gewinnt und zu einer Zahl abgrenzbarer und determinierbarer Vorgänge sich verdichtet. Das Primäre ist das Leben, und dieses schafft sich seine Formen als den erkennbaren Ausdruck seines stetigen Strömens, als äußeren Maßstab für Artung und Charakter seiner Träger (Simmel). Als die ersten nationaljüdischen Studenten sich zu einer Gemeinschaft zusammenfanden, da konnte ihr Leben typische jüdische Gemeinschaftsformen nicht erzeugen, die individuellen Lebensäußerungen des erwachenden jüdischen Geistes waren zu abstrakt und theoretisch, um selbständige gemeinschaftsbildende Kraft zu entwickeln, und das überkommene Judentum war zu starr und zu unbiegsam, um Einzelnes aus seinem unteilbaren Formenkomplex zur Erzeugung neuer profaner Gemeinschaftsformen herzugeben. So blieb nichts übrig, als «ine Anlehnung an die Umwelt. Man gab den nationaljüdischen Studentenverbindungen das Gepräge der deutschen studentischen Korporationen, die in altbewährter Erziehungsmethode dem deutschen Volke einen bestimmten Typ des Akademikers heranbildeten. Diese zionistische Assimilation war eine bewußte, sie erstreckte sich nur auf den äußeren Rahmen, nicht aber auf den Geist, der die Formen erschaffen, und versuchte, sie mit eigenem warmem Blut zu erfüllen. Im Komplex dieser Formen kam auch das deutsche Satisfactionsprinzip zu uns, das für die deutsche Waffenstudentenschaft vielleicht der zentralste und unentbehrlichste ihrer Erziehungsfaktoren ist. Eine organische Fortsetzung des mittelalterlichen Turniers und Gottesgerichts, entspringt es dem Standesbewußtsein und den Ehrbegriffen einer bestimmten Kaste und erweckt rückwirkend im Einzelnen den Glauben an die besondere Artung und Ehre seiner Klasse. Für uns war es nichts anderes als eine Form mit besonders stark gemeinschaftsbildender "Kraft, die den Einzelnen 26

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.