Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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geschwächt. Ein Teil hatte vor dem Krieg straffe Organisationsformen anzunehmen versucht, die ihnen bis dahin nicht lagen, und sich wieder zum nationalen Judentum zurückgefunden. Hier ist noch ein weites und fruchtbares Arbeitsgebiet für das K. J. V. gegeben. — Die farbenprächtige Buntheit der deutsch-christlichen Korporationswelt findet ihr Gegenspiel in der Vielgestaltigkeit der Richtungen unter den jüdischen Studenten, die überall zersplittert sind. So ist es im Interesse der Klarheit erfreulich, daß sich immer mehr der Kampf zwischen K. C. und K. J. V. als das bestimmende Moment aus der Fülle der Erscheinungen herauskristallisiert. Hier wird für die deutsch-jüdische Akademikerschaft der Kampf zwischen der Assimilation und dem uralt-neuen jüdischen Volksgedanken ausgekämpft, hier wird über die Fortexistenz des deutschen Judentums entschieden. Die Ergebnisse der Assimilationsepoche — und dies allein beweist alles gegen sie — sind: Massentaufe und Massenaustritte, Mischehe, Degeneration mit Geschlechts- und Geisteskrankheiten, mit Spätehe und unzulänglicher Geburtenziffer. Die Assimilation hat das deutsche Judentum zum ewigen Sterben — denn ganz untergehen kann es auch nicht — geführt. Den deutschen Juden ist dies noch nicht zunl Bewußtsein gekommen, sie lassen sich täuschen, weil immer neue Kräfte aus dem Reservoir im Osten zuströmen, frische Kräfte, gegen die sich das so liberale deutsche Judentum mit aller Macht abzusperren sucht, instinktiv allem abgeneigt, was noch jüdisch ist, was keinen vollen Geldsack hat und was bei den deutschen Mitbürgern den Verdacht der Unzuverlässigkeit erwecken könnte. Das historische Gedächtnis der Assimilationsjuden ist schwach, sie haben alle vergessen, daß der größte Teil von ihnen erst in dritter Generation aus dem Osten sammt. Nur ungern gedenken sie ihrer Väter und Großväter. Der Kampf zwischen K. C. und K. J. V. bleibt nicht auf die Akademikerschaft beschränkt, er wird mit entscheidend für das ganze deutsche Judentum. Der Akademiker steht gemeinsam mit der Elite der kaufmännischen Intelligenz bei allen Völkern, insbesondere aber bei den Juden, in den vordersten Reiheft der geistigen und der nationalen Bewegungen, er trägt schwer an der Verantwortung für das Schicksal des Volkes. Deshalb darf sich kein national-jüdischer Student der Einordnung in die Reihen der Kämpfer entziehen, etwa in dem Glauben, er besitze ja bereits, was andere in der Korporation erst lernen sollten. Eine nationale Arbeit ist ohne Unterordnung unter einen höheren Gemeinschaftswillen und ohne Disziplin nicht denkbar. Für das Erlernen dieser Grundbegriffe ist eine politische Organisation, wie z. B. die zionistische nieht eng genug; diese kann zudem nicht .die Gemeinschaftswerte eines geschlossenen Kreises vermitteln. Auch der bereits nationaljüdische Abiturient 24