Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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gestellt, in Polen zur Zeit der Besetzung fruchtbarste Arbeit zu leisten, sich in einer Weise an den jüdischen Interessen vergangen, die sie für immer belasten wird. Sie haben — die orthodoxe Assimilation erscheint vielfach genau so wie die liberale — die jüdischen Interessen mit den, deutschen identifizieren wollen und haben diesen genau so schlecht gedient wie jenen. Soweit Orthodoxe nationale Gesinnung pflegen, sind sie in der glücklichen Lage, Tradition und Leben miteinander zu verknüpfen und über Formen und Inhalt zu verfügen, wo der irreligiöse oder religiösliberale Nationaljude mühsam danach sucht. Soweit sie die nationale Gesinnung ablehnen oder gar bekämpfen, dienen sie der Assimilation. Die strengen Formen, denen sie kein Leben einflößen, das Wissen, dem sie keine wirkende Kraft verleihen, verjagen täglich Teile ihres Nachwuchses aus ihren Reihen. Schon ■deren Enkel gehören zu den Ganz- oder Halbgetauften. Wir finden Orthodoxe in paritätischen Verbindungen und im K. C, eine Tatsache, die bezeichnend ist für den Mangel an Organisationsvermögen wie für die Gedankenlosigkeit, in der selbst ein Teil der Orthodoxie jüdischen Frageji gegenübersteht. Die nationalgesinnten orthodoxen Akademiker haben sich zum großen Teil im K. J. V. zusammengefunden. Ein anderer Teil der Orthodoxen ist im Bund Jüdischer Akademiker organisiert, der nicht auf "nationaler Basis beruht und gegen den sich daher alles anführen läßt, was man gegen die nicht-nationalen Orthodoxen sagen kann. Wir sehen übrigens gerade hier, daß sich eine Einigung auf religiöser Basis nie erzielen lassen würde, da schon die Orthodoxen untereinander diese Einigung nicht erreichen. Außer den hier aufgeführten Verbänden gibt es an den einzelnen Hochschulen noch jüdische Vereine und Verbindungen, z. B. «uch Fachvereine für Pharmazeuten und Techniker, die teils aus früheren paritätischen Korporationen hervorgegangen sind, teils mehr oder weniger energisch die nationale Richtung vertreten. — Seit Jahren ist die A u s 1 ä n d e r f r a g e an den deutschen Universitäten brennend. Es werden Forderungen von Seiten der deutsch-christlichen Studentenschaft gestellt, die zum Teil, wie allgemein zugegeben wird, berechtigt sind. Die Bewegung an sich aber ist zweifellos eine Judenhetze, sie trifft Juden aus Rußland, Rumänien und Gallzien, die dort bisher nicht studieren konnten. Diese ausländischen Juden sind zum großen Teil vom jüdischen Gesichtspunkte aus ebensolche Abfallprodukte wie die deutschen Assimilanten; sie haben geschlafen, bis es ihnen an den Kragen ing, und sich lieber mit internationalen als mit jüdischen Fragen eschäftigt. Es wird ihnen wohl langsam klar, daß sie nicht als Sozialisten oder als Russen, sondern als Juden verfolgt werden, pas energische Auf treten der K. J.V.-er in der Auslanderhetzo «at das judische Solidaritätsgefühl der ausländischen Juden ge- < stärkt und ihr Mißtrauen gegen die deutschen Juden ab- 3 23