Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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deutsch-christlichen Korporationen von einander aufs Schärfste trennen, sind hier in einer Organisation vereinigt. Jeder gute Betätigungswille findet die Möglichkeit, zu wirken, und alle Einzelbestrebungen werden zu einer Kraft gesammelt. Mit ernster Arbeit läßt sich ein fröhliches Studentenlebenwohl vereinigen, ein fröhlicher Trunk - - ohne daß ein Zwang dazu ausgeübt wird, das Studentenlied und der Studentenscher2 wie der gesunde Humor sind der Jugend natürliche Begleiter. Während aber der Zweck der Durchschnittsverbindung erfüllt ist,, wenn sie den Aktiven eine lustige, gedankenlose Zeit bereitet, an die sie als Alte Herren mit angenehmen Gefühlen zurückdenken, sind die Verbindungen Jüdischer Studenten die Hochschulen für die künftigen Träger des nationalen Gedankens und für die Alten Herren der Born, aus dem sie immer neu die elastische- Kraft zum Kampfe schöpfen. Eigentümlich wie die Stellung eines Teiles der Orthodoxie ist auch die Stellung des orthodoxen Studenten. Ein Mensch, der täglich vom Volke Jsrael und von der Rückkehr nach Zion betet, der, im Gegensatze zu seiner bürgerlichen Umgebung, während des ganzen Jahres Feste, Gedenk- und Ruhetage feiert, die fast ausschließlich national zu verstehen sind, ein Jude, der im übrigen durchaus gewohnt ist, seine Gedanken in die kleine Münze des Alltags umzumünzen, versteht es hier, zwischen Feiertag und Werktag, zwischen täglichem Gebet und täglicher Arbeit eine Trennungsmauer zu errichten, daß das Eine nichts vom Anderen weiß. Es ist unfaßbar, daß die Orthodoxie nicht insgesamt national ist. Die Emanzipation hat neben dem Guten viel Würdelosigkeit gebracht. Die Juden glaubten, den andern Völkern Dankbarkeit zeigen und den Beweis ihrer Ebenbürtigkeit im Sinne europäischer Zivilisation erbringen zu müssen, sie glaubten, das nationale Gut fortwerfen zu können. Bei den „Liberalen" und* Reformern ging hierbei, zur Erleichterung der Fahrt in das fremde Taufwasser, das religiöse Gut mehr oder weniger oder ganz mit über Bord. Die Orthodoxen ließen wenigstens nicht von der jüdischen Religion und erhielten so alles, was jüdisch blieb. Das wird ihnen unvergessen bleiben. Es gibt auch heute orthodoxe Familien, die, ohne be w u ß t national zu sein, die besten und stärksten Träger jüdischen Lebens sind, aber sehr viele ihrer Kreise, namentlich die Offiziellen der extremen Richtung, tun bei bestem Willen manches, um die Wiederbelebung des jüdischen Volkes zu stören. Sie können die Lehre nicht mit dem praktischen Leben vereinigen, nicht einmal auf dem ihnen ureigensten Gebiete. Um Beispiele herauszugreifen: sie haben es bis heute, trotz ihrer finanziellen Hilfskräfte, nicht vermocht, durch Schulen, Kindergärten, Speisehäuser u. a. in ausreichendem Umfange und in breiter Wirkung das moderne jüdische Leben zu beeinflussen, und einige ihrer Vertreter haben, vor die Möglichkeit 72