Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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noch eine von der jüdischen Entwickelung getragene Organisation war, sammelten sich in ihm auch positiv jüdisch gerichtete Elemente; sie sind jetzt zumeist ausgetreten. Neuerdings ist der K. C. aus seiner neutralen (d. h. uninteressierten) Stellung zu jüdischen Fragen zu einer offiziell antizionistischen übergegangen, indem „er die Bestrebungen zur Lösung der Judenfrage außerhalb Deutschlands ablehnt." Die Weltgeschichte, die sich durch die Demonstration der Protestrabbiner nicht in ihrem Laufe hat hemmen lassen, hat nicht einmal auf die „Ablehnung" des K. C. Rücksicht genommen. Einen nationalen Zusammenhang unter den Juden „lehnt der K. C. gleichfalls ab." — Auf der Mensur bittet gelegentlich der Sekundant den Unparteiischen, seine Farben — grau-gelb-grün — „für schwarz zu erklären", und der Unparteiische, mit der Zuvorkommenheit des allmächtigen Mannes, „erklärt die Farben grau-gelb-grün für schwarz." So erklärt auch gelegentlich eine Gruppe im jüdischen Volke, daß die jüdische Gemeinschaft eine Religions- oder Glaubensgenossenschaft — und n u r eine solche — sei, ohne mit der Erklärung an den Tatsachen etwas zu ändern. Es mag für den einzelnen Studenten ein schönes Stadium sein, wenn ihm alle Farben schwarz oder blond erscheinen, für die Träger des Gemeinschaftslebens — und zu ihnen soll eine Akädemikerorganisation immer gehören — ist es auf die Dauer verhängnisvoll, es führt auf den Weg, den die deutschen Verbindungen gegangen sind und der für sie wie für das deutsche Volk Unheil gebracht hat. Wenn also für den K. C. das einigende Band die Glaubensgemeinschaft ist, dann gibt der religiöse Glauben den K. C.'ern die gemeinsame Grundstimmung? Diese Frage ist logisch, aber angesichts der Tatsachen naiv. Im K. C. sind die — in religiösen Dingen — Gedankenlosen, die Reformer, die „Liberalen", Orthodoxen — und die Atheisten, die also doch irgendwie Juden sein müssen, vereinigt. Die Lösung dieses Rätsels, die Rechtfertimmg der Aufnahme deutscher Staatsbürger völligen Unglaubens in eine Tendenzverbindung deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens bleibt dem K. C. überlassen. Aus seinen Veröffentlichungen klingt schüchtern von Zeit zu Zeit die Erkenntnis heraus, daß ihm die gemeinsame konfessionelle Basis allerdings auch fehle. Die Besten im K. C. führt sioher jüdisches Gemeinschaftsgefühl zusammen, aber der K. C. tut alles, um dieses Gefühl zu ersticken, denn er lehrt nur, wie man auf antisemitische Anrempehmgen „reagiert" und wie der Zionismus, d. h. das jüdische Volk, bekämpft werden könnte. Auclf die Juden der paritätischen Verbindungen der F. W. V. und der Freien Studentenschaft sind Träger der Assimilation; aber der K. C. wird mehr und mehr Organisation der „liberalen" Kntjudungsbewegung, soweit man bei einem Zersetzungsvorgang überhaupt von einer Bewegung sprechen kann. 16