Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Boden bereitet haben! Diese Assimilanten können sich noch heute nicht das ehrliche Geständnis abringen, daß die Zionisten mit ihrer „Phantasterei" diejenigen gewesen sind, die gute und eriolreiche Politik — das Wort im höchsten Sinne verstanden — gemacht haben, ja die einzigen, die überhaupt als Juden politische Erfolge errungen haben; sie sind noch heute kurzsichtig genug, zu glauben, daß der Befreiungskampf eines Volkes zu einer Wohltätigkeitsaktion hinabgedrückt werden könne. Andere wieder legen Wert darauf, von Anfang an das jüdische Gemeinwesen als „Zionistenstaat" anzusprechen, um zu erkennen zu geben, daß sie nichts mit der Sache zu tun hätten, und um von vornherein den Verdacht aufkommen zu lassen, als ob es sich hier garnicht um eine Aktion des jüdischen Volkes, sondern nur der zionistischen Organisation handelte. Alle aber stehen, mehr oder weniger, noch unter dem Einflüsse der überlebten preußischen Lehre, daß Staat und Nation mit einander identisch seien, und befürchten deshalb, daß der Zionismus und seine Verwirklichung die Gleichberechtigung mindern werde, die ja, wie jeder weiß und am eigenen Leibe erfahren hat, im Zeitalter der Assimilation bis zum Ende durchgeführt war. Diesmal hat ein Franzose — die Assimilanten sind in allen Ländern gleich, ob sie Siegfried oder Silvain heißen, — die Schande auf sich genommen, vor dem Forum der Völker zu erklären, daß die Juden zu viel verlangten und daß sie andere, nämlich die Araber beeinträchtigten. In dem Augenblicken dem seit zweitausend Jahren zum ersten Male das gehetzte und zerriebene Volk der Juden wieder festen Boden unter seinen Füßen fühlt, fällt ihm ein Volksgenosse in den Rücken, weil der abgestorbene Teil des Volkes sich daran gewöhnt hat, in Knechtschaft nur immer zu stammeln: „Was werden die Anderen dazu sagen? Wir müssen ihnen zeigen, daß wir deutscher, französischer, englischer sind als sie." Der nationale Gedanke lehrte den Juden, die Abwehr als eine nicht besonders zu rühmende Selbstverständlichkeit anzusehen, lehrte ihn, zu begreifen, daß der Abwehr allein als einer negativen Aufgabe auf die Dauer in einer geistigen Gemeinschaft kraftbildender Wert nicht innewohnt, daß das Leben denkender Menschen sich nicht unter dem leitenden Gesichtspunkte der Beweisführung gegen allerlei Vorwürfe einzwängen lasse. Der K. C. hat diese Entwickelung nicht mitgemacht. Er spielt noch immer die Rolle des Juden, dessen Judentum sich in der stehenden Redensart erschöpft: „ Ich bin ein guter Jude, denn überall, wo ich hinkomme und wo antisemitelt wird, bekenne ich offen, — daß ich mosaisch bin." In diesem Geiste hat sich ein großer Teil des deutschen Judentums daran gewöhnt, die Bezeichnung „Jude", wenn sie von anderen gebraucht wird, nur noch als Schimpfwort zu hören. Diese Juden haben den Stolz des nationalen Judentums noch nicht gefühlt. Früher, als der K. C.