Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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geduldet oder führend, wirken — sie flattern überall umher, können alles, verstehen alles, ihre Hingabe und ihre Mitarbeit ist jeder Bewegung sicher,wenn sie nicht gerade Juden ausschließt oder — wenn sie sich nicht mit jüdischen Dingen befaßt. Und deshalb bieten diese jungen Menschen ein trauriges Bild innerer Zerfahrenheit; fast jeder mittelmäßige Korporationsstudent ist ihnen überlegen, weil er in seiner1 Gemeinschaft fest wurzelt, weil ihm ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit zu Gleichgesinnten eine Sicherheit gibt, die seine Einseitigkeit aufwiegt. Ist dies schon bei den deutsch-christlichen Studenten der Fall, um wieviel mehr muß es bei den Juden zutreffen, die vom Wirtsvolk zurükgestoßen werden und mit ihrem jüdischen Volke nicht verwachsen sind oder sein wollen. Es kommt noch eins hinzu. Es gibt viele spezifisch jüdische Unarten, zum Teil recht unangenehmer Natur; sie sind verständlich aus unserem Ghettoleben und fast immer auf Mangel an Selbstzucht zurückzuführen. Sie zu beseitigen, wäre die Pficht der Familie und der Gesellschaft. Aber es gibt in diesem Sinne keine jüdische Gesellschaft. Daß wir uns diesen Mangel historisch erklären können, ändert nichts an der unglückseligen Tatsache. Unsere Gesellschaftskreise befinden sich in stetem Steigen und Fallen, in immerwährender Unruhe, in dauerndem Empordrängen. Bei der Allgemeinheit dieser Erscheinung spielt es keine Rolle, ob es einigen Familien gelungen ist, sich mehrere Generationen auf demselben status zu halten, zumal da gerade diese Familien immer schon zum Teil außerhalb des Judentums stehen und sobald sich irgendwo eine feste Bevölkerungsschicht bildet, deren Angehörige alles tun. um der Bezeichnung „jüdisch" zu entgehen. Unsere Väter haben die Tradition fortgeworfen, und der Respekt vor dem Geldbeutel und dem Geheimratstitel kat keine neue geschaffen. Wurzellosigkeit, Mangel an Ordnung und da- . mit Verständnislosigkeit für Unterordnung, das sind die natürlichen Folgen des Ghettos, der Aufgabe des eigenen Volkstums und der vergeblichen Hingabe an ein fremdes Volk. Und auch die Familie als Glied der Gesellschaft hat hier versagt. Statt Zucht und Erziehung, Vergötterung und Anbetung des Kindes. Der Vierzehnjährige ist das kommende Genie, der Stern der Familie, der Stolz der ganzen Konfession. Wer diese Verfallserscheinungen erkennt und richtig wertet, wird auch den Weg finden, auf dem dieser Zersetzung Einhalt getan werden kann. Dem jungen Studenten muß die Möglichkeit gegeben werden, in Traditionen festzuwurzeln, er muß einsehen, daß auch er noch der Erziehung bedarf. Dies kann ihm heute nur eine Organisation geben, die mit den menschlich wertvollen Prinzipien der deutschen Korporationen arbeitet, ohne etwas von dem zu übernehmen, was unserem jüdischen Kern widerspricht oder was auch dort ungesunde Ausartung ist. Ob hier 10