Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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antisemitischen Studenten gebildet, die jedoch keine Bedeutung erlangt haben. Daß die Freie Studentenschaft auf die in ihr tätigen Juden ebenso assimilierend wirkt wie z. B. die F. W. V. ist ohne weiteres klar. Beide führen den Juden auf ferner liegende Gebiete, um ihn seinen eigentlichen Aufgaben zu entziehen, beide verkennen mit ihren individualistischen Tendenzen deutsch-liberaler oder -sozialistischer Färbung die Lage, in welcher sich das Judentum, auch das deutsche Judentum, befindet. Der moderne deutsche Jude ist der fast berufsmäßige Dilettant in Kunst und Literatur, der sich um alle Dinge kümmert, nur meist nicht um die, die ihm am nächsten liegen sollten; er ist für alles um lo zugänglicher, als seine Berufswahl, bisher wenigstens, sehr oft nicht von seinen Neigungen abhing- und es ihn also drängte, seinen Ueberschuß an Idealismus irgendwo in Tätigkeit umzusetzen. Ueberall befindet er sich in vorderster Reihe, wo es gilt, für Ideale zu dilettiereh oder' zu kämpfen, und heute stehen im deutschen Bürgerkriege Juden auf allen Seiten und opfern sich, Idealisten und Politiker, die für ihre jüdische Gemeinschaft keine Stunde der Besinnung übrig haben, obwohl alle ihre guten und schlechten Gaben sie als jüdische Typen — wenn auch der Assimilationsepoche — erscheinen lassen. Das deutsche Volk wird ihnen keinen Dank wissen, und es wird vielleicht einmal das ganze deutsche Judentum die Verirrsng einzelner entgelten lassen. Wenn wir angesichts dieser Zustände Schmerz empfinden, so nur deshalb, weil wir sehen, daß diese durch ihre Begabung, ihr ideales Streben und ihre feurige Hingabe wertvollen Menchen dem Judentum verloren gehen, weil ihnen die Gelegenheit mangelt, „sich zu einer edlen volljüdischen und damit vollmenschlichen Spezies auszubilden, indem ihnen der Boden fehlt, auf dem sie wurzeln könnten." „Der moderne deutsche AsSirailationsjude ist ein Kind der Reform. Er ist also aus der Halbheit geboren, und Halbheit charakterisiert ihn. Charakterisiert ihn um so sicherer, als seine bürgerliche Stellung auch nur eine halbe ist." (Dr. Emil Cohn in einer vom K. J. V. herausgegebenen Schrift „Probleme im modernen Judentum.") Und die Wurzellosigkeit zeigt sich am erschreckendsten in der akademischen Jugend Diese jungen Idealisten fahren in alle Bewegungen hinein, sei es, daß sie sich unter den Deckmantel der Parität begeben, um <Üe Augen vor ihren wahren Situationen verschließen zu können, sei es, daß sie die Entwicklung fachtechnischer Studien fördern, sei es, daß sie Musik-, Theater- oder literaturvereine frequen tieren oder daß sie helfen, die sozialen Probleme des deutschen Volkes zu lösen und ihre Mitwirkung bei den dringenderen sozia -. lenAuigaben ihrer jüdischen Gemeinschaft versagen, sei es, daß sie in Schach- und Lawn-Tennis-Klubs oder in Abstinentenvereinen, 3 9